Bioabfälle stinken (nicht)

MoH. Nach der Gründung der Stadtwerke Stuttgart tut sich jetzt einiges auf dem Gebiet der Energienahversorgung. Mit den Elektrizitätswerken Schönau (EWS) haben die Stadtwerke schon vor geraumer Zeit einen starken, äußerst erfahrenen Ökostromanbieter als Partner gefunden. Gemeinsam mit den EWS werden die Stadtwerke Ökostrom anbieten, der aus norwegischen Wasserkraftwerken kommen soll. Das ist eine kluge Wahl und klingt für die Zukunft sehr verheißungsvoll. Aber auch vor der eigenen Haustür wird man endlich aktiv: Es sind Photovoltaik-Anlagen und Windparks, etwa auf der Schwäbischen Alb, geplant. Besonders brisant: Eine Biomüllvergasungsanlage soll bald besten Ökostrom und -fernwärme bieten, die sozusagen auf dem Mist der Stuttgarter gewachsen sind. Mit der Anlage kann der Bioabfall, der in der gesamten Stadt anfällt, hocheffizient verwertet werden.

Doch in Zuffenhausen, dem Bezirk, auf dessen Gemarkung das neue Kraftwerk entstehen soll, rümpft man über diese Pläne die Nase. Anwohner fürchten Geruchsbelästigung und Lärm wegen des zusätzlichen Verkehrsaufkommens; die Bezirksräte schlagen Alarm. Wie unbegründet die Sorgen sind, zeigt ein Bericht der Stuttgarter Zeitung, der eine ähnlich dimensionierte Anlage bei Backnang beschreibt. Der journalistische Ortsbesuch macht klar, dass dank modernster Technik außerhalb der Anlage nicht einmal ein Hauch von Methan oder Ammoniak in der Luft liegt.

Doch trotz der Irrationalität der Zuffenhausener Befürchtungen sollen jetzt auch alternative Standorte untersucht werden, einer etwas weiter stadtauswärts und einer in Weilimdorf. Grundsätzlich ist das nicht verwerflich. Doch es ist einmal mehr Ausdruck dessen, wie tief in den Köpfen der Bürger die Skepsis gegen Neues im Allgemeinen verankert ist – und im Besonderen gegen die erneuerbaren Energien. Die Unwissenheit der Bürger und die Verschleppungsstrategie der alten Stromkonzerne (wie auch die EnBW) stehen denen im Weg. Die Befürworter der Energiewende werden einen langen Atem brauchen – in Stuttgart und anderswo.

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Über Moritz Heiser

Moritz Heiser studiert Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Der Autor schreibt seit 2002 für verschiedene Publikationen, darunter DIE ZEIT und die Stuttgarter Zeitung. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Politik und Wirtschaft.
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