Kunst kostet

OsPo. Die Leiter von baden-württembergischen Kultureinrichtungen verdienen zu viel – das zumindest findet der Landesrechnungshof, der die Gehälter von Schauspielintendanten und Operndirektoren mit denen hochrangiger Landespolitiker vergleicht. Zugleich rügen die „Sparkommissare“ (StZ) die mangelnde Informationspolitik der Regierung zu den Gehältern der höchsten Kulturschaffenden und die vorgeblich illegitime Vergabepraxis der begehrten Posten.

Doch all diesen Meckereien lässt sich leicht begegnen. Lediglich in puncto Transparenz kann man der Regierung einen Vorwurf machen – die Gehälter von Landesbediensteten sind unbedingt und in jedem Fall offenzulegen. Was jedoch deren Höhe betrifft, sind beispielsweise hofierte Fernsehmoderatoren die passendere Vergleichsgröße als Landespolitiker. Jene verdienen Millionenbeträge, ebenfalls öffentlich finanziert. Warum also sollten Künstler vom Rang eines Hasko Weber oder Reid Anderson, die Teil eines ebenso exklusiven wie kleinen Arbeitsmarktes sind, nicht ebenso behandelt werden wie ein Thomas Gottschalk?

Indes ist der Rechtfertigung des zuständigen Wissenschaftsministeriums zuzustimmen – geringere Gehälter bedeuteten sehr wahrscheinlich einen Verlust an Qualität, Renommée und  kultureller Innovation. Genau das sind die Werte, für die die Verpflichtung erstrangiger Kulturschaffender nötig ist. Gerade im Falle Stuttgarts ist das Land gut beraten, hier nicht aufzuhören, sondern im Gegenteil das finanzielle Engagement noch auszubauen. In welcher anderen Stadt kann man schließlich unter einem Sinfonieorchester, einem Ballettensemble und einer Schauspielbühne von absolutem Weltrang wählen? Brächte das Land hier eine Sparpolitik auf den Weg, wäre es damit wohl schnell vorbei.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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