Leno verkauft – nur Mut zur Reinvestition

Vergangenheit: Bernd Leno im Dress des VfB Stuttgart. Foto: Vfb-exklusiv.de.

OsPo. Der VfB wird den bisher ausgeliehenen Bernd Leno für eine hohe Ablösesumme an Bayer Leverkusen verkaufen. Unter den gegebenen Umständen ist das für die Stuttgarter die beste Lösung, anders als man das noch vor einiger Zeit bewerten konnte. In Sven Ulreich steht für sie bereits einer der derzeit besten Bundesligatorhüter zwischen den Pfosten, es besteht also kein unmittelbarer Bedarf auf der Position. Zwar zeigt auch Leno diese Saison bisweilen Glanzleistungen – die wollen jedoch erst einmal bestätigt sein. Außerdem ist die durch den Transfer erzielte Einnahme eminent wichtig. Sie könnte sich als wahrer Segen und Mittel zur Rückkehr auf den Erfolgspfad herausstellen, sofern sie denn komplett zur Aufwertung des Profikaders reinvestiert wird – entgegen einer kolportierten Aussage von Manager Fredi Bobic.

Das ist, berücksichtigt man die durchwachsene erste Saisonhälfte des VfB, nämlich dringend geboten. In fast allen Mannschaftsteilen bedürfte es, auch aufgrund verletzungsbedingter Ausfälle, echter Verstärkungen. Die wiederum sind teuer. Der VfB jedoch hatte eigentlich kaum finanziellen Spielraum für größere Transfers im Winter – bis jetzt. Die sportliche Führung um Bobic ist gut beraten, zumindest für den bisher wenig durchschlagskräftigen Mittelstürmerpart nach Verstärkung zu suchen. Hier haben sich bisher weder der oft rätselhaft lasch und unmotiviert auftretende Cacau noch Pavel Pogrebnyak, der bei aller Sympathie oft Zweifel an seiner Klasse lässt, für einen Stammplatz empfohlen. Zwar ist nächstes Jahr auch mit der Rückkehr des lange verletzten Julian Schieber zu rechnen. Ob er allerdings sofort eine echte Verstärkung darstellen wird, ist fraglich.

Es ist also einmal mehr an der Zeit, etwas Risiko einzugehen und einen finanziell etwas aufwendigeren Transfer zu tätigen. Dass der VfB gegenwärtig keine bereits voll etablierten Topleute wie Huntelaar oder Gomez zu holen beziehungsweise zu halten in der Lage ist, hat die jüngere Vergangenheit gezeigt. Doch dass es auch mit einigermaßen namhaften Leuten erweiterter internationaler Klasse klappen kann, sieht man an den Beispielen Kuzmanovics und jüngst Kvists. Letzterer zeigt auf, wo der VfB primär scouten und sich bedienen sollte: bei den Topmannschaften der kleineren Ligen der Nachbarländer wie etwa Belgien, die Niederlande, Dänemark, Norwegen oder Schweden. Hier wird guter Fußball gespielt und der VfB ist mit seinen momentanen finanziellen Möglichkeiten oft noch konkurrenzfähig.

Ob man das auch sein möchte, hängt im Wesentlichen auch vom Vorstand ab, der dem operativen Geschäft die benötigten Mittel freigeben muss. Da scheint wieder die wohl niemals endende Kontroverse bei den Roten auf: Einerseits möchte man sportlichen Erfolg, um den Verein voranzubringen. Andererseits soll das am besten zum Nulltarif erreicht werden, da man sich ja wirtschaftlich seriös verhalten möchte. Diese Biederkeit war zuletzt oft ein unüberwindbares Hindernis auf dem Weg zu einer Mannschaft mit mehr Qualität, gerade wenn es um die Reinvestition großer Transfereinnahmen ging. Hoffentlich wird nicht einmal mehr übertriebenes Sicherheitsdenken dem unbedingten Willen zum sportlichen Erfolg vorangestellt.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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