Der Krimi zur aktuellen Lage

MoH. Derzeit füllen die scheußlichen Taten der Nazi-Terroristen aus Zwickau die Gazetten landauf, landab. Das gibt neue Nahrung für den schrecklichen Verdacht, den einige schon lange – aber freilich ohne handfeste Beweise – äußerten: Der Rechtsterrorismus sei eine feste Größe in der Bundesrepublik, oft geduldet oder sogar unterstützt durch die deutschen Inlandsgeheimdienste. Wie gesagt, dafür fehlen die eindeutigen Belege. Einige Anhaltspunkte deuten aber in diese Richtung.

Wolfgang Schorlau bietet den Krimi-Stoff zur aktuellen Lage. Foto: Schorle

Diesen Anhaltspunkten geht der Stuttgarter Krimi-Autor Wolfgang Schorlau in seinem packenden Thriller „Das München-Komplott“ von 2009 nach. Privatermittler Georg Dengler rollt darin den Fall des Münchner Oktoberfest-Attentats von 1980 auf. Dieser verheerendste Einzelanschlag in der Geschichte der Bundesrepublik ist heute fast komplett in Vergessenheit geraten. Dabei konnte er nie vollständig aufgeklärt werden. Dengler folgt Spuren, welche die These vom rechtsradikalen Einzeltäter immer unglaubwürdiger werden lassen. Schnell wird klar, dass das bayerische Landeskriminalamt und der Bundesverfassungsschutz kein Interesse an der Aufklärung haben. Selbst die CIA könnte ihre Finger im Spiel haben…

Schorlau schafft in diesem Krimi eine ungemein dichte Atmosphäre, immer nah an bekannten und weniger bekannten Fakten. Er schickt seinen Helden nach München und nach Antalya. Vor der Kulisse des Stuttgarter Hafens kommt es schließlich zum Showdown, bei dem Dengler alles riskieren muss. Besonders beklemmend sind für den Leser jedoch die Parallelitäten zur aktuellen Berichterstattung um die Zwickauer Terrorzelle. Schorlau befeuert das große Verlangen nach einer vollständigen Aufklärung der geheimdienstlichen Unterstützung rechtsradikaler Terroristen in Deutschland.

Wolfgang Schorlau (2009): „Das München-Komplott. Denglers fünfter Fall“, Köln: Kiepenheuer und Witsch.

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Über Moritz Heiser

Moritz Heiser studiert Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Der Autor schreibt seit 2002 für verschiedene Publikationen, darunter DIE ZEIT und die Stuttgarter Zeitung. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Politik und Wirtschaft.
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