Der VfB hat drei Punkte, Hoffenheim Beck

OsPo. Am Samstag hat der VfB die TSG Hoffenheim besiegt. Dabei war es kein sonderlich souveräner Auftritt der Schwaben, auch wenn Hoffenheim meist zu harmlos war, um deren Schwächen auszunutzen. Ausgenutzt wurden die Roten durch den Hopp-Verein jedoch in der Vergangenheit schon auf anderem Terrain. Bei keinem anderen Bundesligaverein stehen derzeit so viele Spieler unter Vertrag, die einst beim VfB das Kicken gelernt haben. Hoffenheim ist gewissermaßen die Stuttgarter Filiale in der Bundesliga, wie einst St. Pauli oder Hertha BSC.

Oft wird in Stuttgart seit einigen Jahren geschimpft, die einst vielgepriesene und erfolgreiche Jugendabteilung bringe nicht mehr genügend Talente hervor. Als Beleg dafür wird dann die tatsächlich eher überschaubare Anzahl der Spieler angeführt, die in den letzten Spielzeiten den Sprung von der zweiten Mannschaft zum Stammspieler im Bundesligateam geschafft haben. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Zwar scheiterten Spieler wie Sven Schipplock, Andreas Beck oder Sebastian Rudy in Stuttgart. Doch sind sie mittlerweile Stammkräfte bei anderen Erstligavereinen und halten so die Fahne der VfB-Jugendabteilung hoch. Meist wird in solch einem Fall dann gemurrt, wie man den Jungen denn überhaupt habe ziehen lassen können. So geschehen etwa bei der ersten „Generation“ von ehemaligen Stuttgarter Spielern, die in Hoffenheim reüssierten: Tobias Weis, Marvin Compper und Andreas Beck. Diese Kritik ist verwunderlich angesichts der Tatsache, dass die Spieler den VfB verlassen haben, weil sie schlicht nicht gut genug waren, um sich dort durchzusetzen. Wenn später woanders der Erfolg kommt, ist es niemand vorzuwerfen, sie ziehen gelassen zu haben.

Dass ein Scheitern im ersten Anlauf beim VfB jedoch nicht das Aus bedeuten muss, zeigen die Beispiele von Julian Schieber oder, besser noch, Christian Gentner. Der, beim VfB nach längerem Wiegen für zu leicht befunden, spielte sich beim VfL Wolfsburg mit einem Meistertitel und starken Leistungen ins Rampenlicht und wurde wieder für den VfB interessant – wenn er auch momentan eher mäßig spielt. Schieber wurde vergangene Saison nach Nürnberg ausgeliehen und als Goalgetter mit offenen Armen zurück empfangen.

Diese oder ähnliche Beispiele scheint Fredi Bobic sich in den Sinn gerufen zu haben, als ihm die Idee kam mal bei Andreas Beck vorzufühlen, ob er sich nicht eine Rückkehr nach Stuttgart vorstellen könne. Grundsätzlich keine schlechte Idee – der Rechtsverteidiger spielt in Hoffenheim konstant solide, wurde zum Nationalspieler und stand bereits bei europäischen Spitzenklubs auf dem Zettel. Vielleicht wollte das Schlitzohr Bobic aber auch nur ein wenig Unruhe beim Gegner stiften vor dem künstlich zum Derby stilisierten Spiel am Samstag. Beck jedenfalls hat ohnehin seinen Vertrag mit der TSG Hoffenheim bis 2014 verlängert. Man dürfte sich trösten können am Neckar, spielt Khalid Boulahrouz derzeit doch endlich mal seit einigen Spielen auf dem Niveau, dessentwegen er einst verpflichtet wurde. Da kann dann auch Andreas Beck einpacken.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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