Ruhe am Neckar, Lärm um Leno

OsPo. Der Heimsieg gegen Hannover 96 letzten Samstag war enorm wichtig für den VfB. Der zweite Dreier der mittlerweile gar nicht mehr so jungen Bundesligasaison ebnet den Weg dafür, dass am Neckar weiterhin ruhig und sachlich gearbeitet werden kann. Danach sah es nach dem zunächst vielversprechenden und dann doch wieder missglückten Saisonstart nicht aus. Zwei Niederlagen in Folge reichten aus, um die Angst vor einer missratenen Hinrunde zu schüren. Das verwundert nicht, ist der VfB doch in dieser Hinsicht gebrandmarkt wie kaum ein anderer Bundesligist mit Ambitionen auf die internationalen Plätze.

Hätte man das Heimspiel gegen Hannover nicht überzeugend gewonnen, wäre wahrscheinlich die Hölle los gewesen: Die Lokalpresse haut drauf, Fans ergeben sich wahlweise in blinde Wut oder ohnmächtiges Staunen und die Mannschaft gerät in einen Teufelskreis aus Selbstvorwürfen, Zerstrittenheit und schlechten Leistungen. So oder so ähnlich jedenfalls stellte sich die Lage in den letzten Jahren nach wenigen Spielen meist dar. Was doch ein überzeugender Sieg ausmachen kann: Heuer ist Ruhe im Karton und alle loben sich gegenseitig. Dazu besteht allemal Berechtigung. Der VfB bot bis auf das Spiel gegen Leverkusen bisher mindestens ordentliche Leistungen, spielte teilweise ansehnlichen Fußball und ließ lediglich – auch das gute Stuttgarter Tradition – zu viele Torgelegenheiten aus. Es deutet insgesamt eher wenig darauf hin, dass man sich auf eine wirklich desaströse Hinserie gefasst machen muss. Dass es zum ganz großen Wurf reicht, ist angesichts der Unbeständigkeit allerdings zweifelhaft.

Den ganz großen Wurf hat dafür ein anderer im Auge: Der beim VfB unter Vertrag stehende und an Bayer Leverkusen ausgeliehene Torhüter Bernd Leno steht ob überragender Partien in Bundesliga und Champions League derzeit national wie international im Fokus. Leverkusen fühlt zart vor, ob eine Verlängerung der bis zur Winterpause datierten Leihe oder gar eine feste Verpflichtung im Bereich des Möglichen liegen. Auch Leno selbst scheint einem Verbleib bei Bayer nicht abgeneigt, das derzeit im Vergleich mit dem VfB wohl die sportlich wie finanziell deutlich attraktiveren Aussichten bietet.

VfB-Manager Fredi Bobic hat bisher allerdings alle diesbezüglichen Spekulationen im Keim erstickt und tut gut daran das auch weiterhin zu tun. Das Ausleihgeschäft, mit kolportierten 500.000 € Leihgebühr sehr lukrativ, war nicht abzulehnen, obwohl damit einem geschwächten Konkurrenten auf die Beine geholfen wurde. Dass Leno derart reüssieren würde, konnte überdies niemand voraussehen. Umso weniger kommt jedenfalls jetzt in Frage, dass man ihn in nächster Zeit ziehen lässt. Leno ist 19 Jahre alt und noch bis 2014 vertraglich an den VfB gebunden. In Leverkusen bekommt er die Chance spielerisch und charakterlich zu reifen und sich schon früh auf höchstem Niveau zu bewähren. Im Idealfall bekommt der VfB also demnächst einen gemachten Torhüter zurück. Das ist allemal mehr wert, als gegen ein paar Millionen mal wieder Tafelsilber wegzugeben.

Advertisements

Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
Dieser Beitrag wurde unter Kommentar, Sport abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Ruhe am Neckar, Lärm um Leno

  1. Pingback: Leno verkauft – nur Mut zur Reinvestition | STUTTGARTER TAGBLATT

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s