Wiederbelebung des KoKi

OsPo. Vor drei Jahren musste das Kommunale Kino Stuttgart (KoKi) seine Pforten wegen Geldmangels schließen. Die Kulturinstitution wurde damals von einem Verein getragen, den Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) am langen Arm verhungern ließ. Vieles spricht dafür, dass damals auch persönliche Animositäten zwischen Eisenmann und dem Vereinsvorstand eine Rolle spielten. Das KoKi hatte seit 1971 bestanden und erfüllte den wichtigen kulturellen Auftrag, die Filmkunst dem ihr zukommenden Stellenwert gemäß für alle Bürger zugänglich zu machen und aufzubereiten. Dann kam das Aus 2008 so plötzlich, dass man sich fragen musste, was da falschgelaufen war und warum ein Kulturstandort vom Range Stuttgarts sich plötzlich das KoKi nicht mehr leisten konnte oder wollte. Jedenfalls ist Stuttgart nun seither ohne Kommunales Kino, was eigentlich lächerlich ist, wenn man sich die Etats anderer kultureller Einrichtungen anschaut und bedenkt, welch vergleichsweise geringen Betrag die Stadt für den Unterhalt des KoKi aufwenden musste.

Eine 2009 gegründete Initiative hat sich das Ziel gesetzt, dieser Lage rasch Abhilfe zu schaffen. In einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten spricht sich deren Vorsitzender Markus Merz für eine Wiederbelebung des KoKi als städtischer Heimat der Filmkunst aus. Er plädiert allerdings gleichzeitig dafür, das Konzept künftig weiter zu fassen: „Ziel ist ein Haus der Film- und Medienkunst, das deutlich mehr ist als ein Kino: Labor, Werkstatt, Galerie und offener Treffpunkt zur Diskussion von bewegten Bildern.“ Und genau das braucht Stuttgart: Eine von öffentlicher Hand getragene Einrichtung, die sich frei von Profitdenken und finanziellen Sorgen mit allen Ausprägungen filmischer Darstellung in einer ständig sich wandelnden Gemengelage verschiedener Medien auseinandersetzen kann. So fordert denn auch Merz die Unterstützung der Stadt – hier darf sich die Kulturbürgermeisterin angesprochen fühlen.

Doch nicht nur deren Stimme hat in diesem Fall Gewicht. Wie das StT bereits neulich berichtete, tut sich derzeit einiges in Stuttgart in Sachen Bürgerbeteiligung. So kann sich jeder unter bürgerhaushalt-stuttgart.de anmelden und „Ideen und Hinweise zu den Einnahmen und Ausgaben der Stadt Stuttgart eingeben“. Ebenfalls gibt es die Möglichkeit, bereits gemachte Vorschläge zu bewerten und zu kommentieren. Die 100 am besten bewerteten werden dann Ende dieses Jahres dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt. Inwiefern die Volksvertreter tatsächlich dem – vermeintlich verlässlich erhobenen – Volksbegehren in diesem Fall Rechnung tragen werden, bleibt abzuwarten. Jedenfalls heißt Vorschlag Nummer 163 hier „Kommunales Kino“, über das es dort heißt: „Stuttgart, das sich so gern als moderner Medienstandort profilieren möchte, kann es sich nicht länger leisten, einen so wichtigen Teil lebendiger Stadtkultur zu vernachlässigen.“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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