Denkzettelchen für Hundt

OsPo. Dieter Hundt hat gestern ein Denkzettelchen verpasst bekommen. Im Rahmen der seit Monaten mit Spannung erwarteten Mitgliederversammlung stimmte eine knappe Mehrheit der anwesenden Stimmberechtigten für einen Abtritt des umstrittenen und doch so machtbewussten Aufsichtsratsvorsitzenden. Da jedoch die erforderliche Dreiviertelmehrheit deutlich verpasst wurde, wird Hundt auch weiterhin maßgeblich die Geschicke des VfB lenken. Denn auch sein Kandidat für den Präsidentensessel wurde denkbar knapp gewählt. So ist nun auf Jahre hinaus die Machtposition der Combo um Hundt zementiert, falls nicht alle Dämme brechen.

Das ist schlecht für den Verein. Denn wie auch immer man zu Hundt und seiner Politik steht – die Auseinandersetzungen um den richtigen Kurs in sportlicher wie wirtschaftlicher Hinsicht werden weitergehen und für Unruhe sorgen. Das deutliche Signal, das die Abstimmungsergebnisse nach Wunsch der Opposition darstellen sollten, ist ausgeblieben. Immerhin steht rund die Hälfte der Mitglieder hinter Hundt. Die andere Hälfte hingegen dürfte wohl nur durch ein sportliches Wunder vom Range der Meisterschaft vor vier Jahren zu besänftigen sein. Diese Spaltung des Vereins könnte eine ernsthafte Bedrohung für dessen weitere Entwicklung darstellen.

Doch alle Unruhe wird Herrn Prof. Dr. Dieter Hundt wohl kaum anfechten. Dass er wenig geneigt ist, sich einer dringend nötigen Umstrukturierung der Vereinsgremien zu öffnen war schon seit langem klar. Als absoluter Machtmensch und Titel- bzw. Postensammler – der Professorentitel etwa weist ihn mitnichten als Hochschullehrer mit entsprechenden akademischen Meriten aus, sondern stellt lediglich einen Ehrentitel dar – scheint er den VfB als eine Art privates Vergnügen zu betrachten. Dass Wohl und Wehe vieler Menschen mit dem Verein verbunden sind, ist dabei wohl nachrangig. Als Arbeitgeberpräsident legt man diese Ignoranz dem nervigen Pöbel gegenüber wohl unwillkürlich an den Tag. Wenn Hundt sich, wie jüngst von der StZ beworben, zu Propagandazwecken in die Niederungen des einfachen Volks begibt, wirkt das jedenfalls reichlich seltsam.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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