Modernisierungsbedarf in der Wilhelma

Viel zu klein: das Elefantenhaus der Wilhelma.

OsPo. Die Wilhelma stellt im Vergleich von 30 europäischen Großzoos bestenfalls Mittelmaß dar. Das zumindest besagt eine Untersuchung, die ein britischer Privatier nach recht undurchsichtigen Kriterien angestellt und jüngst veröffentlicht hat. Besonders in den Bereichen Tierhaltung und Artenschutz sei der Stuttgarter Zoo alles andere als vorbildlich. So werden etwa teils viel zu kleine Gehege kritisiert und deren Artgerechtheit wegen zu viel Betons infrage gestellt. Gelobt hingegen wird die Wilhelma für ihre Artenvielfalt. Gänzlich unerwähnt bleiben die ausgedehnten Parkanlagen, die einzigartigen botanischen Attraktionen wie etwa das Tropenhaus und die pittoreske Atmosphäre weiter Teile mit ihren historischen Gebäuden und Anlagen.

Insofern lässt das Ranking sicher nur begrenzt einen Schluss auf die tatsächliche Positionierung der Wilhelma im internationalen Vergleich zu – immerhin hat man mit 2,1 Millionen Besuchern im Jahr den drittgrößten Publikumszuspruch in Europa. Doch die Anregungen, bestimmte Gehege zu modernisieren und zu vergrößern, sollten ernstgenommen werden. Dieser Problematik war man sich in Stuttgart wohl auch schon vor der Untersuchung bewusst. Es ist bekannt, dass etwa die Bereiche der Elefanten oder der Flusspferde schon lange nicht mehr den gängigen Standards artgerechter Tierhaltung entsprechen. Die Wilhelma tut gut daran, die Flusspferdhaltung aus diesem Grund aufzugeben. Denn die gerühmte Artenvielfalt darf nicht zulasten der Lebensqualität der einzelnen Lebewesen aufrechterhalten werden. Es ist also nicht ausreichend, wenn Wilhelma-Direktor Dieter Jauch die Missstände einräumt und auf Bauvorhaben in unbestimmter Zukunft verweist. Es ist grundsätzlich fraglich, ob der Mensch andere Lebewesen zu Zwecken eigener Unterhaltung und Bildung ihrer Freiheit berauben sollte. Wenn das allerdings, wie in Zoos und Tierparks, mit allgemeiner öffentlicher Akzeptanz geschieht, sollte die größtmögliche Lebensqualität der Tiere gewährleistet sein und die oberste Prämisse darstellen.

Advertisements

Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
Dieser Beitrag wurde unter Kommentar, Politik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s