Bobics Gesellenstück

OsPo. Fredi Bobic dreht beim VfB Stuttgart momentan jeden Stein um. Bereits vergangenen Herbst mussten Teambetreuer Jochen Rücker und Konditionstrainer Christian Kolodziej gehen. Und letztens traf es ein weiteres VfB-Urgestein: Ebbo Trautner, seit den Achtzigern im Verein, wurde degradiert und ist nun nicht mehr Torwarttrainer der ersten Mannschaft. Ihn ersetzt Andreas Menger, der bisher bei Eintracht Frankfurt als Torwarttrainer tätig war. Wahrscheinlich kommt Trautner im Jugendbereich unter. Denn auch dort gab es auf fast allen leitenden Positionen Wechsel. Bobic hat Marc Kienle als übergeordneten sportlichen Leiter für alle Nachwuchsteams installiert. Der soll unter anderem die Zusammenarbeit zwischen Jugend- und Profibereich koordinieren und dafür sorgen, dass wieder mehr junge Talente den reibungslosen Sprung in die erste Mannschaft schaffen. Darüber hinaus haben auch die einzelnen Jugendmannschaften neue Trainer bekommen. So musste auch der bisherige Trainer des VfB II, Jürgen Seeberger, seinen Hut nehmen; er wird durch Jürgen Kramny ersetzt. Die U19 wird künftig von Bobics Bekanntem aus Kickers-Tagen Tayfun Korkut, die U17 von Ex-VfB-Verteidiger Thomas Schneider trainiert.

Diese radikale personelle Umgestaltung fast aller wichtigen Positionen im sportlichen Bereich mutet auf den ersten Blick wie reiner Aktionismus an. Außerdem kann man den Eindruck gewinnen, Bobic schachere alten Weggefährten lukrative Posten zu. Andererseits ist frisches Personal im Fußball oft ein probates Mittel, um durch das Aufbrechen verkrusteter Strukturen Aufbruchsstimmung und eine leistungsfördernde Atmosphäre zu erzeugen. Und warum sollte der Manager dabei nicht auch auf Leute zurückgreifen, die er kennt und deren Kompetenz und Loyalität er sich sicher sein kann?

Seit Fredi Bobic beim VfB die Verantwortung fürs Sportliche trägt, konnte man berechtigte Zweifel daran hegen, dass der Mann wirklich weiß was er tut. Jetzt ist für ihn die erste Möglichkeit gekommen diese Zweifel auszuräumen. Nachdem letzten Sommer Horst Heldt Knall auf Fall zum FC Schalke übergelaufen war, hatte Nachfolger Bobic wenig Zeit und Mittel, um dem Verein gemäß einem eigenen Konzept Konturen zu verpassen. Jetzt scheint er dies nachzuholen und schont bei seinem Gesellenstück nichts und niemanden. Das wird ihm im Erfolgsfall zu höchsten Ehren gereichen, ist sportlicher Erfolg doch das einzig bedeutende Maß im bezahlten Fußball. Sollte der jedoch ausbleiben, dürfte es für Bobic schwer werden beim VfB auch seinen Meister im Fach Bundesligamanager zu machen.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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