Landesbibliothek 2.0

Das heutige Gebäude der LaBi an der Kulturmeile besticht durch seinen Nachkriegs-Charme. Foto: Andreas Praefcke

MoH. Es ist nur ein erster Schritt. Vergangene Woche wurde der Siegerentwurf für den Erweiterungsbau der Württembergischen Landesbibliothek – in akademischen Kreisen liebevoll „LaBi“ genannt – präsentiert. Mit dem vorgesehenen Anbau sollen mindestens drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Es soll erstens mehr Platz für den rasch anschwellenden Bestand an Medien geschaffen werden. Zweitens sollen zeitgemäße Arbeitsplätze in der vor allem durch Studenten der Stuttgarter Hochschulen stark frequentierten Bildungseinrichtung entstehen. Und drittens nimmt man mit dem Siegerentwurf auch schon die anvisierte Umgestaltung der Konrad-Adenauer-Straße zum Boulevard vorweg.

Die ersten beiden Punkte sind unstrittig und von allen Seiten gewünscht. Die LaBi ist eine der bedeutendsten Bibliotheken in Deutschland, doch für Nutzer ist sie gelinde gesagt eine Zumutung (auch wenn der einzigartige Nachkriegs-Charme des jetzigen Gebäudes nach der Sanierung unbedingt erhalten werden sollte). Mit dem Neubau wird es einen umfassenden Freihandbereich geben, die Arbeitsplätze werden in Qualität und Quantität endlich dem starken Besucherandrang angepasst. Der dritte Punkt ist schon weniger klar. Die großzügige Freitreppe zur Stadtautobahn B14 passt sich zwar auch in die Front mit der zukünftigen Freitreppe vor dem Wilhelmspalais ein, der Erweiterungsbau rückt aber genau in diese Achse – und schneidet die LaBi und das Stadtmuseum in spe damit vom Rest der Kulturmeile ab. Der Bau wirkt im Entwurf sehr massiv, was auch durch die Sandsteinfassade nur bedingt wettzumachen ist. An die architektonische Qualität von Musikhochschule, Haus der Geschichte, Wilhelmspalais oder selbst dem Haus der Abgeordneten kommt er nicht heran; von der Staatsgalerie ganz zu schweigen.

Doch der zweite Schritt wird folgen, der Siegerentwurf wird gebaut werden. Zwar gibt es noch einen Finanzierungsvorbehalt des auf 30 Millionen Euro veranschlagten Projekts. Doch zu einer Erweiterung gibt es mittlerweile keine Alternative mehr: Die Bibliothek platzt aus allen Nähten, auch das jetzige Gebäude ist stark modernisierungsbedürftig. Bis zum 250-jährigen Jubiläum der LaBi soll das neue Gebäude stehen. Ob der Zeitplan einzuhalten ist, ist naturgemäß nicht abzusehen. Falls ja, erhält Stuttgart 2015 einen wichtigen Bau für die wissenschaftliche Landschaft – ein weiteres städtebauliches Juwel an der Kulturmeile leider nicht.

Die drei erstplatzierten Entwürfe des Architektenwettbewerbs kann man sich noch bis Ende Juli im Foyer der WLB (Konrad-Adenauer-Straße 8 ) anschauen.

Advertisements

Über Moritz Heiser

Moritz Heiser studiert Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Der Autor schreibt seit 2002 für verschiedene Publikationen, darunter DIE ZEIT und die Stuttgarter Zeitung. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Politik und Wirtschaft.
Dieser Beitrag wurde unter Feuilleton, Kommentar, Politik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s