Alles Gute zum Hundertsten, Linden-Museum!

Fremde Kulturen erfahrbar gemacht: Nachbau eines kamerunischen Königspalasts im Lindenmuseum.

OsPo. Am Wochenende beging das Linden-Museum seinen runden Geburtstag mit einem Festprogramm, das in einen Tag der offenen Tür eingebettet war. Ein buntes Programm aus interkulturellen Veranstaltungen und Konzerten rahmte die Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen eines der bedeutendsten Völkerkundemuseen Europas ein und lockte zahlreiche Besucher an. Auch insgesamt erfreut sich das Linden-Museum nach einigen schwächeren Jahren wieder eines leicht steigenden Publikumsinteresses.

Ein bleibendes Problem stellt jedoch der Platzmangel dar: Der Fundus platzt aus den Nähten und es ist kein Platz für zusätzliche Ausstellungen vorhanden, die wiederum die Besucherzahlen steigern könnten. Dringend benötigte zusätzliche Austellungsfläche ist jedoch nicht in Sicht. Hier setzt auch die Leiterin des Linden-Museums Inés de Castro mit ihrer Kritik an, Stuttgart bringe ihrer Einrichtung nicht die Wertschätzung entgegen, die sie verdiene. Im Rahmen der Festivitäten verkündete OB Wolfgang Schuster (CDU) zwar pathetisch, man wolle das Linden-Museum zu einem „Haus der Kulturen der Welt“ machen. Was genau er damit meint bleibt allerdings ebenso diffus wie die Vertröstung, man habe in zehn Jahren bestimmt genügend Platz für eine Erweiterung hinter dem Hauptbahnhof. Mehr als ein populistisches Lippenbekenntnis dürften diese Äußerungen jedenfalls nicht darstellen.

Dabei kommt dem Linden-Museum als Ort der Kulturvermittlung und Völkerverständigung eine kaum zu überschätzende Funktion zu. Mit seinen Ausstellungen und Veranstaltungen macht es den Bürgern die Vielfalt fremder Kulturen erfahrbar und leistet so einen wichtigen Beitrag zu deren Akzeptanz auch im Alltag. So beginnt etwa nächste Woche die halbjährige Sonderausstellung „Merhaba Stuttgart“ zum Thema 50 Jahre deutsch-türkische Stadtgeschichte. Gerade vor dem Hintergrund der vielen verschiedenen Ethnien und Kulturen, die allein in Stuttgart aufeinandertreffen, sollte es der Stadt also eine Angelegenheit von oberster Priorität sein, diese Einrichtung zu fördern und so ein Zeichen für die kulturelle Verständigung zu setzen. Doch vorerst einmal: Alles Gute zum Geburtstag, liebes Linden-Museum!

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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