Endlich Unterstützung für den CSD

MoH. Stuttgart ist nicht Köln. Ein gut gekleidet über die Königstraße flanierender Mensch würde in Stuttgart spontan eher mit der Mafia assoziert als mit einer homosexuellen Neigung. Stuttgart ist aber auch nicht Moskau. Politische Kundgebungen Homo-, Inter- und Transsexueller wie der Christopher Street Day (CSD) gehören in Stuttgart schon zur festen Tradition. 2010 gab es bei der alljährlichen Parade nach Polizeiangaben 165.000 Zuschauer. Damit ist der CSD in Stuttgart die größte Veranstaltung seiner Art in ganz Süddeutschland.

Prügel mussten Homosexuelle in der Schwabenmetropole in den vergangenen Jahren allenfalls verbal beziehen. Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU), der den CSD vor seiner Amtszeit noch als „abstoßend“ bezeichnet hatte, verweigerte im Vorjahr ein Grußwort. Damit stellte er sich in eine unrühmliche Linie mit Kirchenvertretern und anderen Erzkonservativen – und in Kontrast zur liberalen Linie der Stuttgarter CDU um Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. Zudem stellte dieser Akt auch einen Rückschritt in der Modernisierung der baden-württembergischen CDU  dar: Während der Regierung Oettinger hatte es noch Grußworte gegeben, 2005 sogar vom Ministerpräsidenten persönlich.

Mit dem gläubigen Katholiken Winfried Kretschmann (Grüne) bekennt sich die Landesregierung endlich wieder zu eigentlich Selbstverständlichem. Schon kurz nach seinem Amtsantritt verfasst Kretschmann ein Grußwort an den CSD, der erst im Juli stattfindet: „Wir alle wollen uns für eine Gesellschaft einsetzen, in der es keine Vorurteile oder Diskriminierungen gibt und in der das Zusammenleben von gegenseitigem Respekt und echter Gleichberechtigung geprägt ist.“  Dass der neue Landesvater dieses Thema als eine der ersten Amtshandlungen anging, ist ein starkes Zeichen. Denn Symbolik ist sehr wichtig bei der Integration. Kretschmann bläst zum geistigen Aufbruch ins 21. Jahrhundert. So könnte „Stuttgart 21“ aussehen.

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Über Moritz Heiser

Moritz Heiser studiert Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Der Autor schreibt seit 2002 für verschiedene Publikationen, darunter DIE ZEIT und die Stuttgarter Zeitung. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Politik und Wirtschaft.
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