Das Volk gibt keine Ruhe

OsPo. Die Proteste gegen Stuttgart21 lassen nicht nach. Zwar fiel am Samstag eine groß angelegte Kundgebung direkt am Hauptbahnhof, bei der auch Konstantin Wecker auftrat, starkem Regen zum Opfer. Doch die Gegner des Bahnprojekts lassen nicht locker. Die Kundgebung am Samstag war lediglich die Auftaktveranstaltung zu einem viertägigen Camp namens Baustopp selber machen. Im Rahmen der vom Basislager in Mühlhausen ausgehenden Aktion blockieren seit heute morgen 250 Parkschützer die Bauarbeiten, die die Bahn ihrer Meinung nach entgegen des vereinbarten Baustopps durchführt. Dabei mehren sich mittlerweile auch unter den Projektgegnern die Stimmen, die das beharrliche Vorgehen der Fraktion der Parkschützer kritisieren. Doch gerade deren Hartnäckigkeit demonstriert das neue demokratische Selbstverständnis der Stuttgarter. Die Aktion in Mühlhausen kommt einem Kongress für Protestkultur gleich und propagiert das Ausüben des Rechts auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

Bilder wie dieses wird Stuttgart wohl noch häufiger sehen: Kundgebung gegen Stuttgart21 auf dem Marktplatz.

Wasser auf die Mühlen aller Gegner von Stuttgart21 dürfte unterdessen die Meldung gewesen sein, dass der verantwortliche Ingenieur der Bahn, Hany Azer, sich auf eigenen Wunsch aus dem Projekt zurückzieht. Die Tatsache, dass sein Arbeitgeber dafür öffentlich persönliche Anfeindungen verantwortlich machte, stieß bei den Gegnern auf Unverständnis. Tatsächlich ist der Abgang des Chefplaners wohl eher ein Indikator dafür, dass man selbst bei der Bahn mittlerweile erkannt hat, dass es noch ein steiniger Weg bis zur Realisierung des Projekts wird. Auch mit dem Ausmaß und der Macht des erbitterten und ungebrochenen Widerstands der Gegner hatte dort wohl niemand gerechnet.

Es ist also alles wie gehabt zwischen den – trotz Schlichtung – nach wie vor äußerst verhärteten Fronten. Daran wird sich bis zur endgültigen Entscheidung über Stuttgart21 auch wohl nichts ändern. Über Sitzblockaden und Kundgebungen können sich die Stuttgarter also noch eine Weile freuen oder – je nach Perspektive – ärgern: Die Volksbefragung ist für Oktober geplant.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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3 Antworten zu Das Volk gibt keine Ruhe

  1. kantiger schreibt:

    keine ahnung was an derartigen artikeln kantig, knackig, keck sein soll… ereignisse der letzten wochen zusammengefasst und das nicht mal mit ner meinung bis auf die semi-reißerische überschrift. wegen mir muss man das ding auch nicht bauen aber 250 lagerfeuergitarristen sind dann auch nicht das volk.

    • Oskar Powalka schreibt:

      Es muss ja nicht immer alles künstlich dramatisiert werden. Darauf hebt das augenzwinkernde Motto ‚kantig, knackig, keck‘ auch gar nicht ab. Unser Hauptanliegen ist, eine andere Perspektive auf die Vorgänge zu bieten, als es die etablierten Stuttgarter Medien tun. In diesem Fall ging es mir darum, die Legitimität und die Bedeutung solcher Protestaktionen für das politische Klima Stuttgarts zu betonen. Ich denke, in dieser Hinsicht wird der Kommentar doch deutlich genug. Und: Den – nicht minder bedeutsamen – „250 Lagerfeuergitarristen“ stehen immerhin mehrere Tausend Teilnehmer der Kundgebung am Samstag zur Seite.

  2. kantiger schreibt:

    sorry, das augenzwinkern hab ich eurem motto nicht erkannt. trotzdem erkenne ich in dem artikel keine „betonung“, sondern lese nur „warme zusammengefasste luft“.

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