Tausche Spikes gegen Mountainbikes

So rasant wie hier Jonathan Debus bei den Deutschen Meisterschaften im Downhill 2008 in Tabarz könnten sich die Mountainbiker bald auch in den Stuttgarter Kessel stürzen. Foto: Ingo Kappherr/www.Rad-i-o.de

OsPo. Das Aus für den Sparkassencup bedeutet wohl das Ende für die Leichtathletik auf Weltklasseniveau in Stuttgart. In den vergangenen 25 Jahren war die jährliche Veranstaltung zu einem festen Termin im Kalender der Top-Leichtathleten avanciert und wurde achtmal zum besten Hallenmeeting überhaupt gekürt. Nun ist Schluss, da die Sparkasse zukünftig ihr Geld anderweitig verteilen möchte. Von 2006 bis 2009 richtete Stuttgart noch das bedeutende Weltfinale der World Athletics Tour (WAT) aus. Nun ist nach dem Umbau der Mercedes-Benz-Arena zum reinen Fußballstadion und dem Ende des Sparkassencups die Geschichte der Spitzenleichtathletik, die in der WM 1993 ihren Höhepunkt fand, vorerst zu Ende. Versinnbildlicht wird deren Niedergang auch durch die ihr zugewiesene Wettkampfstätte: Vom ehemaligen Gottlieb-Daimler-Stadion mit rund 53.000 Plätzen wird die Leichtathletik nun ins benachbarte Stadion Festwiese abgeschoben, das trotz Sanierung eher provinziellen Charme aufweist. Das ist eine schlechte Nachricht für den Spitzensport in der Landeshauptstadt.

An anderer Stelle hingegen soll neuer Raum für den Sport geschaffen werden: Stuttgart bietet mit der Kombination aus hervorragender Infrastruktur und seiner speziellen Topographie ideale Bedingungen für eine Downhillstrecke für Mountainbiker. Diese haben sich innerhalb der vergangenen Jahre die Abfahrten rund um den Kessel angeeignet. Dabei beschädigen sie den Waldboden und gefährden Spaziergänger – insgesamt 15 solcher illegalen Abfahrten sollen in Stuttgart existieren. Bereits 2007 regten darum die Grünen und die Freien Wähler im Gemeinderat die Schaffung einer legalen Downhillstrecke zwischen Degerloch und Heslach an. Anwohnerproteste erstickten damals die Planungen im Keim. Da das Problem wohl weiter besteht, werden die Überlegungen nun wieder aufgegriffen.

Sollte die Strecke realisiert werden, könnte dies zwar nicht den Verlust der Leichtathletik kompensieren. Allerdings zeigte dies einerseits, dass man sich in Stuttgart auch um den Breitensport und dessen Interessen kümmert. Andererseits gibt es auch im Downhillsport eine Weltspitze – eventuell etabliert sich die Schwabenmetropole ja als neues Mekka für diese Disziplin.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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2 Antworten zu Tausche Spikes gegen Mountainbikes

  1. MCBuhl schreibt:

    Ich gratuliere der Sparkasse: endlich mal was richtig gemacht!
    Es ist mMn Schade, dass man für Downhill offizielle Strecken braucht, aber die Menge an Fahrern macht’s halt leider nötig, denn manche der illegalen Strecken sind schon arg ausgefahren…
    Aber jeder, der schon mal U7 gefahren ist, kennt die Downhillkids 🙂
    Mir scheint jedoch, dass eine Strecke nach Heslach runter nur einem Teil der Szene gerecht wird, andere fahren eben gerner vom Fernsehturm aus runter – ich bin zwar kein Anwohner, fände es aber wichtig, dass es mindestens eine 2. Strecke gibt, damit sich an Samstagen nicht alles auf einer Strecke knubbelt!
    Und noch eine weitere Anmerkung: auch vom Kernenturm aus fahren einige den Buggel na.

  2. Pingback: Endlich legal in den Kessel heizen | STUTTGARTER TAGBLATT

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