Happy End in Cannstatt?

OsPo. Nun klopfen sie sich wieder einmal alle gegenseitig auf die Schulter beim VfB Stuttgart. Kaum war am Samstag der drohende Abstieg verhindert, holte Trainer Bruno Labbadia zu einem Rundumschlag voll des Lobes gegen Mannschaft, Manager und Vorstand aus. In einem Anflug von Realitätssinn wollte er lediglich sich selbst nicht beweihräuchern. Auch die Stuttgarter Zeitung stimmt in die Hymnen auf alle Beteiligten ein und spart gerade bei Labbadia nicht an den höchsten Tönen der Preisung.

Bei allem Verständnis für die Erleichterung, die beim VfB und auch bei den Sportredakteuren, die allwöchentlich von dessen Schicksal berichten, gegenwärtig herrscht: Auch die Rückrunde dieser Saison ist aus Stuttgarter Sicht bestenfalls als durchwachsen zu bezeichnen. Zwar nimmt der VfB in der – äußerst unmaßgeblichen – Rückrundentabelle den dritten Platz ein und hat mit einigen souveränen Siegen schließlich den zwischenzeitig kaum noch für möglich gehaltenen Klassenerhalt vorzeitig gesichert. Doch sollte jetzt nicht unter den Tisch fallen, dass bei einigen Siegen eher der Zufall als eigene Stärke der Vater des Erfolgs war und dass gerade Bruno Labbadia durch fragwürdige taktische Entscheidungen einige Male den Erfolg gefährdete.

Auch Fredi Bobic ist nun für viele der Heilsbringer, der alles richtig gemacht hat. Fraglos haben seine beiden Transfers in der Winterpause, Hajnal und Okazaki, einen nicht geringen Anteil am Nichtabstieg. Es bleibt allerdings fraglich, ob Bobic wirklich den Ansprüchen, die an den Manager eines Bundesligaklubs gestellt werden, genügen kann. Der Neuling wirkt bei Interviews oft linkisch und man hat den Eindruck, er möchte hinter seinem oft schroffen Auftreten eigene Unsicherheit verbergen. ‚Stallgeruch‘ allein macht eben noch keinen kompletten Sportdirektor. Seine wichtigste Aufgabe, gleichsam der erste wirkliche Prüfstein seines Wirkens, wird nun der Umbau der Mannschaft sein. Hierbei ist besonders wichtig, dass Bobic sich nicht von den trügerischen Erfolgen der letzten Spiele blenden lässt, wie es beim VfB nach einer guten Rückrunde schon schöne Tradition ist.

Es ist aber auch nicht alles schlecht; zumindest war in den letzten Spielen Anlass zur Hoffnung gegeben. Gegen Hannover und in den Spielen gegen Köln, Hamburg und Hoffenheim bot der VfB zumindest kämpferisch gute Leistungen, phasenweise blitzte sogar der aus vergangenen Tagen bekannte technisch anspruchsvolle Angriffsfußball auf, den die Mannschaft diese Saison nicht oft kultivieren konnte. Wenn der Kader sinnvoll umgebaut wird, die anstehenden Veränderungen auf der Führungsebene ohne Schlammschlachten überstanden werden und Bruno Labbadia die ihm zugedachten Lorbeeren rechtfertigt, könnte es sein, dass man sich daran in Stuttgart bald wieder gewöhnen kann.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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