Stadtwerke eröffnen Chancen

MoH. Die Katze ist aus dem Sack. Nach längeren Erwägungen hat die Stadtverwaltung ihr Konzept zur Gründung neuer Stadtwerke vorgelegt. Dieses sieht vor, die Stadtwerke Stuttgart als Ökostromanbeiter für sauberen Strom und Erdgas zu positionieren. Schon ab 2012 möchte man mit dieser Taktik dem Platzhirsch EnBW Kunden abspenstig machen. Dementsprechend wird es auch keine Kooperation mit dem drittgrößten deutschen Energieversorger geben. Im Vertrieb soll ein noch zu findender Ökostromanbieter Partner werden. Auf der Erzeugerseite möchte man – etwa mit Blockheizkraftwerken – auch die Bürger einbinden.

Die Stromnetze spielen eine Schlüsselrolle beim Aufbau neuer Stadtwerke. Foto: 4028mdk09

Die Grundversorgung in Stuttgart soll künftig wieder in kommunaler Hand liegen. Die Privatisierung ist gescheitert. So weit, so gut. Die vielfältigen anstehenden Aufgaben im Energiebereich – Milliardeninvestitionen ins Stromnetz, Diversifizierung und Dezentralisierung der Energiequellen, die Verabschiedung der Atomenergie und die Anpassung an die flexible Bereitstellung von erneuerbaren Energien – bedeuten zuviel Unsicherheit und damit Investitionsrisiken für private Anbieter. Dass die öffentliche Hand hier beschleunigend eingreift, ist folgerichtig.

Viele Fragen bleiben jedoch offen. Zuallererst ist ungeklärt, unter welchen Bedingungen die Stadt die Netze für die Grundversorgung von der EnBW zurückkaufen kann. Der avisierte Zeitplan ist sehr knapp bemessen und auch die Einbindung der Bürger wird kein Selbstläufer. Zudem besteht die Gefahr, dass bei einer zu kleinteiligen Aufteilung der Stromnetze der überregionale Ausbau ins Stocken gerät; was hier für die Stadt recht ist, muss für das Land nicht billig sein. Die Ankündigung dieser Woche zeigt also nur grob, in welche Richtung es mit den neuen Stadtwerken gehen soll. Jetzt muss die Stadt beweisen, dass sie alle Beteiligten auf ihrem Weg mitnehmen kann.

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Über Moritz Heiser

Moritz Heiser studiert Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Der Autor schreibt seit 2002 für verschiedene Publikationen, darunter DIE ZEIT und die Stuttgarter Zeitung. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Politik und Wirtschaft.
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