Die Chance auf eine grüne Wende

OsPo. Der Rückkauf der EnBW-Aktien könnte das Land in arge finanzielle Nöte stürzen. Bei der Übernahme der Anteile des französichen Energiekonzerns EdF musste das Land den anderen Aktionären ein Übernahmeangebot in gleicher Höhe machen. Nach der atomaren Katastrophe in Japan und dem damit verbundenen Abwenden von der Atomenergie fielen Aktienkurse und Konzernwerte der großen deutschen Energieversorger drastisch. Die EnBW hat diesen Schlag wegen des noch bestehenden Übernahmeangebots durch das Land bisher nur vermindert zu spüren bekommen. Auf längere Frist allerdings wird der Wert der Aktie jedoch sehr sicher unter jenen sinken, zu dem das Land sie erworben hatte. So hat Stefan Mappus mit seinem wirtschafts- und energiepolitischen Alleingang der neuen Landesregierung und der baden-württembergischen Kassenlage einen unfreiwilligen Bärendienst erwiesen.

Doch so absurd und undemokratisch der Rückkauf der Aktien durch das Land – vielmehr: durch Stefan Mappus (CDU) – vonstatten ging: Vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Atomausstiegs in Deutschland und unter den im Vergleich zum Zeitpunkt des Erwerbs völlig veränderten Rahmenbedingungen kann der vermeintliche Klotz am Bein zu einer nicht geahnten Chance werden. Die Tatsache, dass das Land den mit Abstand größten Energieversorger Baden-Württembergs kontrolliert, ermöglicht der neuen Regierung die öffentlichkeitswirksame Demonstration ihrer Entschlossenheit und ihres Willens zur Verfolgung ihrer Leitsätze.

Die veränderten Umstände ermöglichen es Grün-Rot, die EnBW umzubauen und die Abhängigkeit des Konzerns von Atomstrom – wie bereits vor einiger Zeit vom StT vorgeschlagen – im Rahmen einer grundsätzlichen Umstrukturierung zu brechen. Dazu sind zunächst natürlich erneut hohe Investitionen nötig, die jedoch einerseits das Überleben des Konzerns sichern und andererseits der grünen Diktion einer Förderung erneuerbarer Energien und des Verzichts auf Atomstrom entsprechen. So könnte sich das Resultat des demokratiefeindlichen und kurzsichtigen Gebarens des Ex-Ministerpräsidenten auf mittlere Sicht doch noch als Segen für das Land erweisen – wenn auch sicher nicht auf eine Weise, die Mappus sich vorgestellt hatte.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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