Die kleine Lösung für ein großes Problem

OsPo. Der dringend nötige und in letzter Zeit verstärkt angetriebene Umbruch in der Führungsebene des VfB Stuttgart droht zur kleinen Lösung zu verkommen. Mehrere Gruppen aus dem Umfeld des Vereins, darunter jene um den Stuttgarter Banker Björn Seemann, betreiben die Ablösung des bisherigen Präsidenten Erwin Staudt auf der nächsten Mitgliederversammlung. Dabei scheint ausgemacht, dass Staudts Tage an der Spitze des Vereins gezählt sind. Mittlerweile ist auch der ehemalige Torhüter des VfB Helmut Roleder als Nachfolger im Gespräch. Doch die Neubesetzung des Präsidentenpostens wäre nur ein Steinchen in einem den grundsätzlichen Missständen in den Führungsstrukturen Abhilfe schaffenden Mosaik: Zwar hat Staudt die aktuell missliche Lage mit zu verantworten. Dass es allerdings soweit kommen konnte, ist auch der Vereinssatzung geschuldet, die vorschreibt, der Präsident sei allein vom Aufsichtsrat zur Wahl vorzuschlagen. Die Mitbestimmung der Vereinsmitglieder wird dadurch wesentlich eingeschränkt. Das Vorhaben, diesen Zustand zu ändern hat die Opposition mittlerweile wohl aufgegeben. Ganz zu schweigen von einer Umstrukturierung des Aufsichtsrats, wo, gleich dem amtierenden Vorstand, zu wenig Fußballkompetenz installiert ist. Unter diesen Voraussetzungen scheint es unwahrscheinlich, dass es der Opposition im Verein gelingen könnte eine nachhaltige Verbesserung zu erreichen.

Hinzu kommt, dass die nächste planmäßige Mitgliederversammlung erst im Herbst stattfinden wird. Nach gegenwärtigem Stand wird also der VfB während des nächsten halben Jahres von einem Präsidenten auf Abruf geführt. Dies impliziert ein Machtvakuum und könnte schlimmstenfalls zu einer Entscheidungsunfähigkeit führen, die den auch auf sportlicher Ebene dringend nötigen Umbau verzögern oder gar unterminieren könnte. Sollte man Manager Fredi Bobic und Trainer Bruno Labbadia trotz deren Unzulänglichkeiten über das Ende dieser Saison hinaus die Verantwortung für die Profimannschaft geben, stehen diese vor der Aufgabe, den Kader wieder auf Vordermann zu bringen. Ob in der Ersten oder in der Zweiten Bundesliga, es wird einiger Änderungen bedürfen, um den VfB wieder zu einer schlagkräftigen Mannschaft zu formen. Dabei wäre eine Quasi-Vakanz an der höchsten Position des Vereins mehr als hinderlich.

Es ist also schwer, dieser Tage optimistisch in die Zukunft der Roten zu blicken. Etwas Hoffnung machen zumindest die Resultate der Mannschaft in den letzten Bundesligaspielen. Der VfB spielt derzeit „Realfußball“: Ohne Traumtänzerei und schönes Spiel konzentriert sich die Mannschaft, pragmatisch aber unansehlich, auf das einzig Bedeutsame, die Punkte. Man spielte selten gut oder gar überlegen, holte dafür jedoch wichtige Zähler aufs Konto und machte in der Tabelle Boden auf die Konkurrenz im Abstiegskampf gut. Auch wenn zuletzt öfter Unvermögen des Gegners und Glück als eigene Stärke dem VfB zum Erfolg verhalfen, ist das eine entscheidende Wandlung, schien es doch in der Hinrunde oft als realisierten viele Spieler nicht die gefährliche Situation. Ob der Abstieg so tatsächlich vermieden werden kann oder nicht, in Zukunft soll einer einst von Felix Magath initiierten Tradition gemäß wieder verstärkt auf junge Spieler aus der eigenen Jugend gesetzt werden. Diese Parole wird mittlerweile mantraartig ausgegeben, wenn ein Verein in der Krise steckt und ein Neuanfang nötig ist. Beim VfB allerdings hat die Maßnahme schon mehr als einmal Erfolge gezeitigt. Neues, unverbrauchtes Personal könnte also auf allen Ebenen des Vereins zu einer Bewältigung der Krise verhelfen und ein Anknüpfen an die Erfolge der jüngeren Vergangenheit ermöglichen.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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