Im Gespräch: Christoph Bautz – Anti-Atom-Kette

Campact-Geschäftsführer und Mitorganisator der Anti-Atom-Kette Christoph Bautz. Foto: Campact

In letzter Zeit hat Stuttgart einige Demonstrationen erlebt. Aber eine richtige kilometerlange Menschenkette ist auch hier nicht alltäglich. Am kommenden Samstag möchte ein Bündnis mehrerer Organisationen die 45 Kilometer lange „Anti-Atom-Kette“ zwischen der Stuttgarter Staatskanzlei in der Villa Reitzenstein und dem Atomkraftwerk Neckarwestheim schließen. Das StT hat sich mit Campact-Geschäftsführer und Mitorganisator Christoph Bautz über die Art und die Gründe des Vorhabens unterhalten.

StT: Herr Bautz, auf Ihrer Website gibt es erst gut 2.000 Unterstützer des Aufrufs zur „Anti-Atom-Kette“. Wird die Menschenkette kommenden Samstag denn geschlossen?

Christoph Bautz: Es ist ja nicht die erste Menschenkette die wir organisieren. Bei der Anti-Atom-Kette in Norddeutschland vor einem Jahr beteiligten sich über 120.000 Menschen. Für die rund 45 Kilometer zwischen Neckarwestheim und der Stuttgarter Staatskanzlei benötigen wir nur 30.000 Teilnehmer – das wäre dann etwa eine Person pro anderthalb Metern.

StT: Sie setzen dieses Zeichen bewusst vor der baden-württembergischen Landtagswahl. Energiepolitik ist aber doch Bundessache. Was versprechen Sie sich von der Menschenkette?

Christoph Bautz: Die jetzige baden-württembergische Landesregierung hat massiv Druck gemacht für die Verlängerung der Laufzeiten. Diese sind jetzt beschlossen – doch die Bundesländer können den Atom-Deal aushebeln. Die Länder haben die Atomaufsicht und damit eine entscheidende Rolle: Sie können von den Konzernen durch scharfe Sicherheitsauflagen verlangen, ihre Meiler massiv nachzurüsten. Das wird sich für die Betreiber häufig nicht lohnen. Dann bleibt ihnen nur die Abschaltung.

StT: Was erwarten Sie also nach der Wahl im Südwesten?

Christoph Bautz: Eine neue Landesregierung muss den bisherigen Pro-Atom-Kurs beenden. Sie soll als oberste Atomaufsicht die Meiler in Neckarwestheim und Philippsburg abschalten. Zudem muss sie endlich konsequent auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien setzen. Hierfür wollen wir Druck erzeugen.

StT: Welche Bedeutung hat das Atomkraftwerk Neckarwestheim für Stuttgart?

Christoph Bautz: Vom AKW Neckarwestheim sind die Stuttgarter direkt betroffen. Neckarwestheim 1 (der ältere der beiden Meiler, Anm. d. Red.) ist einer der ältesten und störungsanfälligsten Reaktoren in der Republik. Da sind gerade die Baden-Württemberger gefährdet. Gegen Flugzeugabstürze ist das AKW nicht gewappnet. Die Notstromsysteme sind nicht räumlich getrennt und die Leit- und Sicherheitstechnik ist völlig veraltet.

StT: In Ihrem Werbespot, der auf Youtube zu finden ist, wird eine Art Kunstschwäbisch verwendet. Musste das wirklich sein?

Christoph Bautz: Wir wollten das humoristisch aufziehen und gleichzeitig klarmachen, dass es eine bundesweite Angelegenheit ist. In dem Spot wird der Tag der Menschenkette aus der Sicht des Zuschauers des Spots erzählt. Die Idee ist, den Zuschauer zu animieren an der Kette teilzunehmen, ihm klarzumachen, dass jeder Einzelne gebraucht wird.

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Über Moritz Heiser

Moritz Heiser studiert Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Der Autor schreibt seit 2002 für verschiedene Publikationen, darunter DIE ZEIT und die Stuttgarter Zeitung. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Politik und Wirtschaft.
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