Hasko Weber verlässt Stuttgart

MoH. In Stuttgart gibt es nur eine Personalie die den Bürgern ähnlich wichtig ist wie die des Stadtoberhaupts – es ist die Stelle des Intendanten des Schauspielhauses. Keine andere Bürgerschaft in Deutschland identifiziert sich ähnlich heftig mit ihrem Theater. Keine andere Bürgerschaft definiert sich derart intensiv über ihre Bühne. Es ist ein kritisches Publikum, an hohes Niveau gewöhnt und über die Jahre mit hochkarätigen Intendanten und Regisseuren verwöhnt worden.

Die Nachricht, dass der ebenso erfolgreiche wie beliebte Intendant Hasko Weber seinen 2013 auslaufenden Vertrag in Stuttgart nicht verlängern möchte traf das Stuttgarter Theaterpublikum Anfang der Woche wie aus heiterem Himmel. Sein Entschluss habe rein persönliche Gründe, vermeldete der Scheidende. Damit trat er Spekulationen entgegen, der Verfechter des politischen Theaters sei von den Trägern des Staatstheaters (Land und Stadt), die in vielen Inszenierungen nicht gut wegkamen, demontiert worden. Man kann nur hoffen, dass die Suche nach einem würdigen Nachfolger nicht ähnlich erfolglos sein wird wie 2006 die nach dem Nachfolger von Klaus Zehelein, dem damaligen Intendanten der Oper.

Hasko Weber tritt also ab, 2013 wird eine grandiose Ära enden. Sie wird bei den Stuttgartern in sehr guter Erinnerung bleiben. Und auch außerhalb des Talkessels wird man Hasko Weber in einem Atemzug mit den Eminenzen des Stuttgarter Theaters, Helmut Palitsch und Claus Peymann, nennen. Es bleiben noch zwei Spielzeiten, um diese außergewöhnliche Intendanz der weithin geschätzten Stuttgarter Dramaturgie zu genießen. Darauf können sich die Theaterbesucher also freuen. Es ist noch zu früh für ein endgültiges Fazit. Aber eines sei schon mal gesagt: Danke für die tolle Zeit – danke, Hasko Weber!

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Über Moritz Heiser

Moritz Heiser studiert Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Der Autor schreibt seit 2002 für verschiedene Publikationen, darunter DIE ZEIT und die Stuttgarter Zeitung. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Politik und Wirtschaft.
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