Im Gespräch: Simon Weiss – Kamafari Surf

Surflehrer Chak mit Surfschülern über der Bucht von Balangan auf Bali. Foto: StT

Stuttgart ist eine Zuwanderungsregion. Aber fast so viele Menschen wie zuziehen, wandern jährlich auch wieder ab. Nicht jeden verschlägt es dann gleich an einen so exotischen Ort wie Bali. Simon Weiss aus Fellbach-Oeffingen hat sich gegen seine schwäbische Heimat und für seinen Traum vom eigenen Surfcamp auf der indonesischen Insel entschieden. In der Stuttgarter Zeitung erschien am Donnerstag ein ausführliches Porträt des 26-Jährigen aus meiner Feder. Das StT hat Weiss in seiner Wahlheimat getroffen und sich mit ihm über seine Entscheidung gegen Stuttgart, seinen Alltag in der Ferne und das Heimweh unterhalten.

StT: Herr Weiss, warum sind Sie aus Stuttgart weggegangen?

Simon Weiss: Ich war nicht mehr zufrieden in Stuttgart. Meine Arbeit beim Daimler in der LKW-Getriebeentwicklung wurde immer eintöniger. Ich hatte schon immer den Traum, eine Pension in den Alpen aufzumachen. Nur, das konnte ich mir nicht leisten…

StT: …weshalb Sie sich dachten: „Dann baue ich die Pension eben stattdessen am Fuße eines Vulkans auf“?

Simon Weiss: Nein. Aber vor ein paar Jahren habe ich in Frankreich Wellenreiten gelernt. Das ist wie eine Droge: Versuchst du es einmal, kommst du nicht mehr davon los… Dann habe ich eine Ausbildung zum Surflehrer gemacht und sehr bald festgestellt, dass ich gerne am Meer leben würde. Ich wusste nur noch nicht wo.

StT: Warum wurde es dann gerade Bali? Hätten Sie nicht auch in Europa ein Plätzchen finden können?

Simon Weiss: Das mit Bali war nicht geplant. Im November 2009 bin ich auf eine Weltreise mit dem Surfbrett aufgebrochen. Ich wollte einen Platz finden, wo ich ein Surfcamp aufmachen könnte. Auf Bali habe ich dann den Flug nach Neuseeland verpasst. Ich war gestrandet, weil meine Kreditkarte abgelaufen war und die neue im Hostel in Neuseeland auf mich wartete… Ich dachte mir: Sowas kann auch nur mir passieren! Aber nach dem ersten Schock wurde mir klar, dass ich doch auch auf Bali bleiben könnte. Der Ort ist perfekt: Es gibt die weltbesten Wellen und unglaublich freundliche Menschen.

StT: In Scharen kommen die Touristen aus der ganzen Welt um das besondere an Bali zu erleben. Die allermeisten Einheimischen bewahren trotz allem ihre einzigartige Kultur und sind stets freundlich und hilfsbereit. Gibt es auch Schattenseiten im Paradies?

Simon Weiss: Es ist schon anstrengend wenn man sich um alles selber kümmern muss, wie jetzt beim Bau meines Hauses. Aber am meisten Gedanken mache ich mir über die Armut meiner balinesischen Freunde. Jetzt arbeiten die als Surflehrer und verdienen damit für balinesische Verhältnisse recht gut – aber eine Familie könnten sie davon nicht ernähren. Wenn ich denen aber mehr Geld bezahlen würde, würden sie es trotzdem sofort ausgeben. Deshalb bin ich am Überlegen, einen Teil ihres Lohns auf einem Konto anzulegen und ihnen die Ersparnisse nach fünf Jahren auszuzahlen. Damit könnten sie sich dann eine eigene Existenz aufbauen – einen Laden oder ein kleines Restaurant.

StT: Haben Sie denn überhaupt kein Heimweh?

Simon Weiss: Dazu bin ich hier viel zu beschäftigt. Außerdem habe ich ständig Besuch von Freunden aus Stuttgart – wie soll da Heimweh aufkommen? Mit meiner Familie halte ich Kontakt über Skype. Und hier gibt es schon einige Menschen, die für mich wie Familie sind. Aber wenn mein Surfcamp dann irgendwann von alleine läuft, werde ich wahrscheinlich einmal im Jahr für ein paar Monate in die Heimat fliegen.

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Über Moritz Heiser

Moritz Heiser studiert Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Der Autor schreibt seit 2002 für verschiedene Publikationen, darunter DIE ZEIT und die Stuttgarter Zeitung. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Politik und Wirtschaft.
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