Ein wichtiger Sieg und stinkende Fische

OsPo. Nach einer kaum für möglich gehaltenen Aufholjagd in der zweiten Halbzeit hat der VfB Stuttgart am Samstag Abend gegen Borussia Mönchengladbach eines der wohl wichtigsten Spiele der jüngeren Vergangenheit des Vereins gewonnen. Dabei verlief die Partie zunächst nach dem Muster, das in dieser Saison bisher so viele Spiele des VfB geprägt hat: Anfangs mutig aufspielend verliert die Mannschaft schnell an Verve und gerät in Rückstand. Der Gegner nimmt die Gelegenheit wahr und schenkt ein, zwei Tore ein. Oft war das Spiel dann gelaufen, auch wenn die Stuttgarter sich noch gegen die Niederlage stemmten. Nicht so am Samstag: Hatte man sich vor der Pause noch vom Tabellenletzten regelrecht zerlegen lassen, war der VfB in der zweiten Hälfte klar spielbestimmend und drehte einen 2:0-Rückstand noch in einen Sieg. Dieser ist eminent wichtig, um die nach den erfolgreichen Spielen gegen Mainz und Dortmund aufgekommene Aufbruchsstimmung weiter zu befeuern, die durch die verdiente Niederlage gegen den SC Freiburg einen schmerzhaften Dämpfer erhalten hatte.

Führte den VfB gegen Mönchengladbach auf die Siegerstraße und könnte bei einem Systemwechsel voll zur Geltung kommen: Neuzugang Tamás Hajnal. Foto: vfb-exklusiv.de

Bemerkenswert war dabei auch, dass Neuzugang Tamás Hajnal einen entscheidenden Anteil an der Belebung des Stuttgarter Spiels in der zweiten Hälfte hatte. Seine Integration in die Mannschaft könnte eine Änderung der taktischen Auftstellung zur Folge haben, die man lange nicht mehr bei einer Mannschaft des VfB Stuttgart beobachten konnte: von der in den letzten Jahren praktizierten „Doppelsechs“ zurück zur „Raute“ im Mittelfeld. Zwar wurde Hajnal am Samstag nominell im rechten Mittelfeld eingesetzt, man sah aber schnell, wo sich der Ungar auf dem Platz zuhause fühlt, nämlich zentral. Vielleicht hat der VfB in ihm ja wieder einen fähigen Spielgestalter gewonnen. Hajnal jedenfalls führte nach seiner Einwechslung zur Pause die Fäden im Stuttgarter Spiel zusammen, wo vorher Hilflosigkeit herrschte. Dass jedoch ein bei Borussia Dortmund ausgemusterter Spieler ohne Bundesligaeinsatz beim VfB Stuttgart plötzlich Hoffnungsträger für eine Rettung vor dem drohenden Abstieg ist, verdeutlicht auch ein wenig, wie weit es gekommen ist  mit dem Deutschen Fußballmeister von 2007.

Unterdessen hat die Berliner Zeitung erfrischend unverklausuliert und mit einer Prise Berliner Schnauze festgestellt, wo die Gründe für die Misere liegen: „Fraglos liegt der VfB am Boden. Aber niemand weiß, wie er wieder aufstehen könnte. Das liegt nicht zuletzt daran, dass auch fernab der Küste die Fische vom Kopf her stinken.“ Gemeint sind hier diejenigen, die für den Niedergang des Vereins hauptsächlich verantwortlich zu machen sind: Aufsichtsratschef Dieter Hundt und Präsident Erwin Staudt. Sie haben es zu verantworten, so die Berliner Zeitung weiter, „dass in den vergangenen Jahren ein halbes Dutzend Trainer mit jeweils konträrem Spielverständnis verpflichtet wurden – und jeder ein paar Milliönchen für Transfers an die Hand bekam, mit denen der jeweilige Nachfolger nichts anfangen konnte.“ Mit dieser Beobachtung treffen die Kollegen aus der Hauptstadt ins Schwarze und stoßen in dasselbe Horn, das das StT seit Monaten unermüdlich zu blasen sich nicht zu schade ist. Es ist allerdings zu hoffen, dass, entgegen der Vermutung der Berliner Zeitung, demnächst doch jemand – Tamás Hajnal? – am Neckar ein Rezept findet, um dem VfB wieder auf die Beine zu helfen.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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