Landtag 21

MoH. Natürlich wird jetzt wieder die „Selbstbedienungsmentalität“ der Großkopferten angeprangert. Volkes Seele kocht, zumal ja auch weitere teure Projekte anstehen – wie Stuttgart21 oder die (städtische) Sanierung der Schulgebäude.  Da ist die bevorstehende Erweiterung des Stuttgarter Landtags ein gefundenes Fressen. Die Abgeordneten müssen also gut erklären, warum sie ein neues Domizil brauchen. Doch in der Debatte um die Erweiterung des Landtags kann es letztendlich nicht um das ob, sondern nur um das wie gehen.

Als Solitär beeindruckt der baden-württembergische Landtag in der Stuttgarter Innenstadt mit nüchterner Eleganz. Im Ensemble mit Neuem Schloss und Oper wirkt er jedoch wie die Faust aufs Auge. Foto: Andreas Praefcke

Seit Jahrzehnten wird der Landtag von akuter Raumnot geplagt. Das ist die Folge einer Gemengelage aus schwäbisch-badischen Eifersüchteleien und dem baden-württembergischen Sparsamkeitsglauben. Aber wenn nach der Wahl im März der Landtag in ein Vollzeitparlament umgewandelt wird, werden auch all die Dauerprovisorien, die die Raumnot bisher gelindert haben, nicht mehr genügen. Die Abgeordneten werden mehr Platz benötigen – auch für die steigende Anzahl ihrer Mitarbeiter.

Auf Stuttgart werden also Veränderungen in städtebaulich sensibler Lage zukommen. Ein vom Landtag in Auftrag gegebenes Gutachten der Beratungsfirma Drees & Sommer schlägt drei Varianten vor. Die denkbar schlechteste Lösung wäre ein Büroanbau im Akademiegarten hinter dem Neuen Schloss.  Ihm hat Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) zum Glück bereits eine Absage erteilt, diskutiert werden soll er aber trotzdem. Die zweite Variante wäre eine Nutzung des Neuen Schlosses für Abgeordnetenbüros. Dann müssten allerdings die dort beheimateten Ministerien umziehen, was das Platzproblem nur verlagern würde. Was bleibt, ist die große Lösung.

Ein Komplettumzug des Landtags in die Nähe des Hauptbahnhofs wäre aus Stuttgarter Sicht das beste, was passieren könnte: Das Areal um das Versatel-Hochhaus und die ehemalige Berlitz-Schule wäre städtebaulich kaum zu verschlimmern. Die jetzige Landtagstiefgarage könnte dann für die Ministerien im Neuen Schloss genutzt werden, damit dessen Innenhof endlich autofrei wäre. Der in seiner nüchternen Eleganz als Solitär bestechende heutige Bau des Landtags wirkt im Ensemble mit Neuem Schloss und Oper wie die Faust aufs Auge. Die Notwendigkeit der Parlamentserweiterung sollte genutzt werden, das Herz der Stadt etwas vom Druck der repräsentativen Gebäude des Landes zu befreien.

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Über Moritz Heiser

Moritz Heiser studiert Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Der Autor schreibt seit 2002 für verschiedene Publikationen, darunter DIE ZEIT und die Stuttgarter Zeitung. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Politik und Wirtschaft.
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