VfB: Oben bleiben!

OsPo. Es scheint tatsächlich aufwärts zu gehen beim VfB Stuttgart. Die ersten beiden Bundesligaspiele nach der Winterpause haben zusammen vier Punkte eingebracht – das entspricht exakt einem Drittel der Ausbeute der gesamten Hinrunde. Das war so nicht zu erwarten und ist aller Ehren wert, ging es doch gegen keine geringeren Gegner als die vielgepriesene Fußball spielende Boygroup von Mainz 05 und den designierten Deutschen Meister Borussia Dortmund.

Es waren keine schönen Spiele und der VfB stellte auch jeweils nicht unbedingt die bessere Mannschaft. Trotzdem hat die Mannschaft sich die Erfolge verdient. Gegen Mainz glaubten die Spieler trotz Unzulänglichkeiten im eigenen Offensivspiel gegen einen spielerisch überlegenen Gegner stets daran, gewinnen zu können. Sie wurden mit dem von Timo Gebhart und Martin Harnik erzwungenen späten Siegtor belohnt. Ähnlich lief es am Samstag in Dortmund. Der BVB produzierte Torgelegenheiten am laufenden Band, brachte den Ball aber nur einmal im Stuttgarter Kasten unter. Das bestrafte eine unermüdlich rackernde Stuttgarter Mannschaft durch ein erneut spätes Tor und entführte so einen Punkt aus dem Hexenkessel von Stadion, in dem die derzeit wohl beste Fußballmannschaft Deutschlands zu Hause ist.

Diese Energieleistungen erfordern enorme mentale und körperliche Anstrengungen jedes einzelnen Spielers. Nichts ist also gegenwärtig mehr zu spüren von der Lethargie und Mutlosigkeit, die das Spiel der Stuttgarter in der Hinrunde oft charakterisierten. Das zeugt davon, dass die Spieler mittlerweile – um eine Floskel zu bemühen – wirklich angekommen sind im Abstiegskampf. Ob Floskel oder nicht, das ist eine bemerkenswerte Entwicklung. Denn genau jene Leidenschaft und Kampfbereitschaft, die jetzt an den Tag gelegt werden, gingen dem Gros der Spieler in dieser schweren Saison bislang ab.

Ein Anteil an diesem Fortschritt ist sicher auch dem Trainer Bruno Labbadia zuzuschreiben, auch wenn der erst seit sechs Wochen mit der Mannschaft arbeitet. Wenn der Aufwärtstrend weitergeht, wird er für seinen autoritären Führungsstil gelobt werden und dafür, der Mannschaft wieder Disziplin beigebracht zu haben. Auf irgendetwas muss die wiedererlangte Stärke ja zurückgeführt werden. Es ist allerdings befremdlich, dass es dazu zweier vorhergehender Trainerentlassungen und eines Abrutschens auf den vorletzten Tabellenplatz bedurfte. Sicherlich ist es momentan oberstes Gebot, den Verein unter Aufbietung aller zu Gebote stehenden Mittel gemeinsam aus der prekären Lage zu manövrieren. Ist das jedoch geschafft, sollten in Cannstatt einmal die wirklichen Ursachen der wiederkehrenden Krisen ausgemacht und beseitigt werden. Beispiele dafür wären etwa die fragwürdige Mentalität mancher Spieler oder, weit schwerwiegender, die äußerst bedenkliche Vereinspolitik der letzten Jahre.

Für den Moment stimmen die letzten beiden Spiele zuversichtlich. Zwar ist man nach dem 19. Spieltag nach wie vor Tabellenvorletzter, auch dank der ebenfalls verbesserten Form der Konkurrenten um den Klassenerhalt. Wenn die Mannschaft aber so weiterkämpft, dürfte sie sich bald von den Abstiegsrängen gelöst haben und Richtung Tabellenmittelfeld streben. Damit wären die schlimmsten Ängste aller VfB-Anhänger vorerst gebannt und „Oben bleiben!“, in anderen Stuttgarter Diskussionen zurzeit ja vielbemühte Parole, auch in Sachen Fußball ein schmissiger Slogan.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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