Eine Steuer mit Folgen

MoH. Jetzt ist es amtlich: Im Jahr 2010 verlor Stuttgart unter dem Strich 15.562 Einwohner. „Dahinter steht eine deutliche Abnahme der mit Zweitwohnung gemeldeten Einwohner und ein Anstieg der Einwohner mit Hauptwohnung“, erklärte Thomas Schwarz, der Leiter des Statistischen Amtes. Rund 20.000 Menschen weniger haben jetzt einen Zweitwohnsitz in der Stadt.

Hintergrund ist die umstrittene Zweitwohnungssteuer, die Ende vergangenen Jahres auf Drängen des Stadtkämmerers Michael Föll (CDU) eingeführt wurde. Durch die Steuer wollte er mehr Menschen dazu bewegen, ihren Erstwohnsitz in die Landeshauptstadt zu verlegen. Das Kalkül dabei: Mehr Erstwohnsitze bedeuten auch mehr Geld aus dem Gemeindefinanzausgleich. Durch die fast 4500 „Neubürger“ kann der Kämmerer mit einem mittleren einstelligen Millionenbetrag aus dem Umlagetopf rechnen. Außerdem dürfte der Anteil der Stadt an der Einkommenssteuer steigen. Da lässt es sich verschmerzen, auf die Zweitwohnsitzsteuer der nun „Abgewanderten“ zu verzichten. Die hätten  – mit einigen Ausnahmen – einen Betrag von zehn Prozent ihrer Kaltmiete an die Stadt abführen sollen.

Die Einwohnerzahl wird sich in naher Zukunft vermutlich auf dem niedrigeren Niveau von ungefähr 580.000 Gemeldeten einpendeln. Der kleine Geburtenüberschuss ist erfreulich, doch er fällt in der Statistik kaum ins Gewicht. Die vormalige Einwohnerzahl nah an der 600.000-Marke war zwar wichtig fürs Prestige der Stadt. Die städtischen Aufgaben lassen sich mit dem zusätzlichen Geld aus der Umlage aber wohl besser erfüllen.

Die Zahlen belegen es: Trotz Geburtenüberschuss ist Stuttgart im vergangenen Jahr geschrumpft. Quelle: Statistisches Amt der Landeshauptstadt Stuttgart

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Über Moritz Heiser

Moritz Heiser studiert Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Der Autor schreibt seit 2002 für verschiedene Publikationen, darunter DIE ZEIT und die Stuttgarter Zeitung. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Politik und Wirtschaft.
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