Bobic vertraut der Mannschaft

OsPo. Erst heute wird der Manager des VfB Stuttgart aus dem Urlaub zurückkehren und sich ins Trainingslager zur Mannschaft begeben. Fredi Bobic hat sich auffallend lange Weihnachtsferien gegönnt. Das mutet seltsam an, wenn man die prekäre Lage des Vereins berücksichtigt: Der VfB ist als Vorletzter in die Winterpause gegangen und hat fünf Punkte Rückstand auf den sicheren Nichtabstiegsplatz 15.

Und da steht man zurecht: Die Hinrunde war geprägt von teils desolaten Leistungen der Mannschaft. Da werden natürlich allerorten Rufe nach Verstärkung des Kaders durch Neuverpflichtungen laut. Hier wäre Bobic gefordert gewesen, schließlich beginnt bereits in knapp zwei Wochen die Rückserie der Bundesliga. Doch vom üblichen Aktionismus, der sich bei Verantwortlichen von Fußballklubs in vergleichbaren Situationen meist einstellt, hat Bobic Abstand genommen. Vom Japaner Shinji Okazaki abgesehen, der ablösefrei aus der heimischen Liga kommt, plant man in Stuttgart ohne weitere Neuzugänge. In Sachen Kaderplanung legt der Manager also jene Politik der ruhigen Hand an den Tag, die ihm beim Umgang mit den Trainern bisher abgeht.

Das ist auch als Bekenntnis zum aktuellen Kader zu werten. Es ist ein Zeichen an die bestehende Mannschaft, dass man ihr zutraut, die Talsohle zu durchschreiten und den Abstiegskampf anzunehmen. Die mangelnde Bereitschaft dazu nämlich, weniger als fehlende Qualität, ist als sportlicher Hauptgrund für den Misserfolg auszumachen. Die Spieler haben schließlich oft genug bewiesen, dass sie Fußball spielen können, und das sehr eindrucksvoll. In Cannstatt ist man also zuversichtlich, dass der neue Trainer Bruno Labbadia es schaffen wird, bei den Spielern noch den viel beschworenen ‚Schalter im Kopf‘ umzulegen.

Diese Politik könnte sich schnell als Schuss in den Ofen erweisen, wenn etwa die eklatante Abwehrschwäche nicht abgestellt wird. Individuelle Fehler aller Defensivakteure kosteten den VfB zuletzt viele Punkte. Dass vor allem die eingesetzten Außenverteidiger momentan kollektiv unter Bundesliganiveau agieren, hätte zumindest auf dieser Position eine Neuverpflichtung nahegelegt. Der Baum wird schnell wieder brennen im Roten Haus am Neckar, wenn nicht bald Siege eingefahren werden. Und dann wird sich auch Fredi Bobic für sein Stillhalten in Sachen Transfers und seine langen Ferien verantworten müssen.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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