Der Nächste, bitte!

OsPo. Nein, es ist kein schlechter Witz: Der VfB Stuttgart hat schon wieder den Trainer gewechselt. Nach Christian Gross und Jens Keller ist Bruno Labbadia nun der dritte Trainer der die Profimannschaft des VfB diese Saison betreut. Jens Keller war außerstande, den undisziplinierten Haufen, den sie in Stuttgart Mannschaft nennen, zu bändigen. Auch geht im die Fähigkeit ab, ein Team taktisch und psychologisch optimal einzustellen. Das alles soll Labbadia besser können; er ist als „harter Hund“ und Disziplinfanatiker unter den Trainern bekannt.

Der Kern des Problems: die machtgierigen Vereinsbosse, hier Präsident Erwin Staudt. Foto: Stefan Baudy

Denkt man in solch einfachen Kategorien und lässt sich von den Vorgängen an der Oberfläche täuschen, mag man die Vereinsführung für das Ergreifen der richtigen Maßnahme preisen. Es bedarf allerdings nicht einmal eines allzu tiefen Blicks unter die Oberfläche, um einzusehen, dass hier mal wieder statt der Ursache der Probleme nur ein Symptom bekämpft wurde: Jens Keller war nicht der richtige Mann für den VfB. Der Grund aber, warum er überhaupt Trainer wurde, war die Angst der Bosse Staudt und Hundt, dessen Vorgänger Gross könnte zu viel Macht im Verein an sich reißen. Gross war fachlich über jeden Zweifel erhaben, wurde aber entlassen, weil er unbequem wurde. Das zeigt die Wurzel des Übels in Cannstatt: Machtgierige und sportlich inkompetente Führungskräfte wie Hundt und Staudt nehmen sogar einen sportlichen Niedergang des Vereins in Kauf, um ihre Machtpositionen bis zum Äußersten zu verteidigen.

Für die Mannschaft geht es nun nach dem bedeutungslosen Kick gegen Odense zwei Mal gegen den FC Bayern. Da hat Bruno Labbadia gleich die Gelegenheit, sich zu beweisen. Es ist ihm und allen Anhängern des Vereins zu wünschen, dass die Mannschaft ihr Phlegma und ihre Verunsicherung ablegt und endlich wieder ihr vorhandenes Potenzial ausschöpft. Dann ist es vielleicht noch nicht zu spät, um die Kurve zu kriegen und im Laufe der Rückrunde den Weg in ruhigere Tabellengefilde zu schaffen. Auch würden sie sich dann beim VfB wahrscheinlich auf die Schultern klopfen und sich gegenseitig beglückwünschen. Andernfalls hieße die Devise eventuell recht bald wieder „Der Nächste, bitte!“. In beiden Fällen scheint es jedoch unwahrscheinlich, dass die eigentlich Verantwortlichen ihre den Verein schädigende Politik aufgeben.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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