Diego wieder bei den Kickers

OsPo. Guido Buchwald hat endlich wieder Unterschlupf gefunden. Seit neuestem bekleidet er einen Vorstandsposten bei den Stuttgarter Kickers, seinem Stammverein, der ihm einst den ersten Profivertrag gab und bei dem er bereits 2001 vorübergehend als Sportdirektor tätig war. Bei den Kickers ging es mal wieder drunter und drüber. Im Streit mit dem Aufsichtsrat über die Qualifikation von Sport-Koordinator Michael Zeyer trat zuletzt der amtsmüde Präsident Edgar Kurz zurück. Eine Vakanz in der Vereinsführung hinterlassend, folgten ihm große Teile des Vorstands.

An alter Wirkungsstätte soll Guido Buchwald nun für bessere Zeiten sorgen: das Stadion auf der Waldau in Degerloch. Foto: Enslin

In ihrer Not, so scheint es, griffen die Kickers dann auf Buchwald zurück. Der hatte sich in den letzten Jahren bemüht, eine Anstellung bei einem deutschen Profiklub zu ergattern,  jedoch meist ohne Erfolg. Eher plump biederte er sich auch letztes Jahr beim VfB Stuttgart an, wo er ebenfalls lange Jahre gespielt hatte und heute als Ehrenspielführer firmiert. Buchwald war sich in der Krise des VfB während der Bundesliga-Hinrunde 2009 nicht zu schade, den damaligen Stuttgarter Manager Horst Heldt öffentlich anzugreifen und diesem unter anderem eine falsche Transferpolitik vorzuwerfen. Entgegen nachträglicher Beteuerungen war allen Beobachtern damals klar, dass Buchwald wohl auf den Posten schielte, der im Falle einer Demission Heldts frei geworden wäre.

Dieser Vorfall sagt einiges aus über die offensichtliche Verzweiflung, mit der Buchwald  erfolglos auf der Suche nach einem Zugang zum Bundesliga-Business war. Diese Suche war bis jetzt von Erfolglosigkeit geprägt. Dieses Schicksal teilen viele der einst hochgelobten und glorifizierten Helden der deutschen Weltmeisterelf von 1990. Ein interessantes Dokument dieser Disparität zwischen Anspruch und Wirklichkeit stellt ein ZEIT-Dossier dar, das punktlich zum 20. Jubiläum des Triumphs von Rom vor der WM 2010 erschien. Darin verfolgt Henning Sußebach den Weg, den die  Weltmeister von damals genommen haben. Es wird deutlich, wie aus manchen Helden – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung – traurige, gescheiterte Gestalten geworden sind.

Buchwald während seiner erfolgreichen Zeit in Japan. Foto: Ytoyoda

Den Stuttgarter Kickers bleibt zu wünschen, dass Guido Buchwald seine unzweifelhaften Kompetenzen im  Bereich der sportlichen Führung – immerhin wurde er mit den Urawa Red Diamonds japanischer Meister und mehrfacher Pokalsieger – zum Vorteil des gebeutelten Regionalligisten einbringen kann. Wenn er sich dabei allerdings ähnlich ungeschickt anstellt wie zuletzt, besteht darauf wenig Hoffnung. Bis jetzt waren von Buchwald jedenfalls lediglich die üblichen Durchhalteparolen zu vernehmen. Die lassen nicht darauf schließen, dass da einer wirklich ein umfassendes und wirksames Konzept mitbringt. Eine Anekdote aus dem ZEIT-Dossier illustriert die Unbedarftheit, die Buchwald anscheinend zueigen ist: „Buchwald besitzt eine Tennishalle und ein Restaurant. Er vermietet Immobilien. Er ist Teilhaber einer Firma für Dokumentenverwaltung. Er hat 40 Angestellte. Und doch sind seine Visitenkarten beidseitig bedruckt: Auf der einen Seite ist er »Beiratsvorsitzender« der Morgenstern + Buchwald GmbH – auf der anderen »football coach« , weltweit verfügbar.“

Vielleicht ist es aber für die Kickers bereits genug, wenn ein wenig des noch vorhandenen Glanzes des „Diego“ Buchwald auf den Verein übergeht, um den es leider sehr ruhig geworden ist in den letzten Jahren. Der gegenwärtig an Tristheit kaum zu überbietende Alltag in der vierten Liga gibt einen starken Kontrast ab zu den großen Zeiten der Kickers. Es wäre ein Segen für die Stuttgarter Fußballszene und Stuttgarts Status als Stadt, in der dem Sport ein hoher Stellenwert zukommt, wenn es den Kickers gelänge, sich eine Perspektive nach oben zu erschließen.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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