Nicht Porsche sorgt für den Geldsegen

MoH. Die Marketing-Experten von Porsche dürften sich vergangene Woche ins Fäustchen gelacht haben. Ihre groß angekündigte Steuernachzahlung „im zweistelligen Millionenbereich“ führte zu Schlagzeilen wie „Porsche bringt Stuttgart Geldsegen“. Der sich selbst gerne in seinem Ruhm als „größter Gewerbesteuerzahler Stuttgarts“ sonnende Sportwagenhersteller konnte mit seiner Außendarstellung zufrieden sein. Doch dass eine solche Interpretation des unverhofften Geldeingangs zu kurz gesprungen ist, liegt auf der Hand.

Sicher, angesichts der schwierigen Finanzlage der Landeshauptstadt ist jede Steuernachzahlung willkommen. Ist sie in der von Porsche genannten Größenordnung – umso besser. Eine Steuerzahlung aber dem Zahler öffentlich gutzuschreiben ist irreführend. Das suggeriert nämlich, das Unternehmen begehe mit dieser Zahlung eine Wohltat. Dass es sich um nicht weniger als eine gesetzliche Pflicht handelt, geht in solchen Jubelstürmen völlig unter. Zudem kann aus einer Nachzahlung auch ganz schnell eine Rückforderung werden. So geschehen beim selben Unternehmen in jüngster Vergangenheit – und das natürlich ohne großes PR-Getöse.

So bedeutend Einzelzahlungen von Großunternehmen anmuten mögen, so gering fallen sie im Vergleich zu Steuern und Abgaben kleiner und mittelständischer Unternehmen aus. Dessen sollte man sich gerade in Stuttgart bewusst sein. Für den Geldsegen sorgt nicht Porsche. Für den Geldsegen sorgt erst recht nicht Daimler, welches aufgrund der steuerlichen Bilanzierungsregeln auch gerne gar keine Gewerbesteuer an seinem Stammsitz bezahlt. Für den Geldsegen von Städten und Gemeinden sorgen unsere Steuergesetze. Und ob dieser „Geldsegen“ unter dem Strich angesichts der immer geringeren Einnahmen der Kommunen ausreicht, ist stark zu bezweifeln. Diese Frage wiederum steht freilich auf einem anderen Blatt.

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Über Moritz Heiser

Moritz Heiser studiert Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Der Autor schreibt seit 2002 für verschiedene Publikationen, darunter DIE ZEIT und die Stuttgarter Zeitung. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Politik und Wirtschaft.
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