Gomez will kein Denkmal

OsPo. Im Interview mit der Stuttgarter Zeitung äußert sich der ehemalige VfB-Stürmer Mario Gomez auch zu seiner Zeit in Stuttgart: „Wäre ich beim VfB geblieben, hätte ich jahrelang 20 Tore pro Saison gemacht, davon bin ich überzeugt. Und irgendwann hätte ich vermutlich ein Denkmal bekommen. Aber das war nie das, was ich wollte.“

Dort unten hätte Gomez' Denkmal stehen können.

In den Ohren vieler VfB-Anhänger dürfte das klingen wie Hochverrat. Dessen  war Gomez ja schon bezichtigt worden, nachdem 2009 sein Wechsel von Stuttgart nach München feststand. Dem besonneneren Beobachter hingegen offenbarte sich einmal mehr, dass sich Fußballprofis heutzutage nur noch in sehr seltenen Fällen bedingungslos mit ihrem Verein identifizieren. Gomez sah im Wechsel die Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln. Er räumte romantischen Betrachtungen über die Loyalität zu dem Verein, der ihm eine Karriere als Berufsfußballer ermöglicht hatte, wahrscheinlich wenig Bedeutung ein. Das demonstriert das Selbstverständnis der heutigen Profis, die sich eher als Einzelkämpfer denn als Bestandteile eines Kollektivs begreifen. Unter diesem Gesichtspunkt ist Gomez sein Verhalten also nicht vorwerfbar. Es zeugt doch im Gegenteil von der Entschlossenheit eines jungen Mannes, das Maximale aus seinen Möglichkeiten zu machen. Kann man das ernsthaft verurteilen?

Den sentimentalen Vorstellungen, in denen viele Fußballinteressierte trotz allem noch verhaftet sind, tut Gomez dann aber schließlich doch noch Genüge: „Es ist immer noch so, dass ich nach unseren Spielen zuerst schaue, was die alten Kumpels aus Stuttgart gemacht haben. Ich freue mich, wenn der VfB gewinnt. Leider war das dieses Jahr nicht allzu oft der Fall.“ In Wirklichkeit dürfte es Herrn Gomez eher freuen, dass ein potentieller Konkurrent im Moment Schwierigkeiten hat... Einen Sieg jedenfalls möchte er seinem Ex-Verein nicht schenken: „Ich habe schon zu Cacau gesagt: das ist leider nicht möglich. Wir brauchen selbst dringend jeden Sieg.“

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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