Hinterhältige Werbung auf StZ Online

OsPo. Wer regelmäßig den Onlineauftritt der Stuttgarter Zeitung (StZ) nutzt, kennt die aggressiven Formen der Werbung auf der Seite: Banner und Pop-Ups wohin man nur klickt. Die Frequenz der Pop-Ups dürfte unter den Nachrichtenportalen ihresgleichen suchen. So nervig das auch sein mag, es ist legitim und finanziert die Seiten mit. Durch einschlägige Browser-Vorkehrungen (wie beispielsweise das Firefox-Plugin AdblockPlus) kann man dieser Belästigung zudem recht wirksam Einhalt gebieten.

Seit einiger Zeit findet sich auf den Seiten jedoch eine subtilere und hinterhältigere Form der „Verbraucherinformation“. Wer beispielsweise über den Menüpunkt Nachrichten auf aktuelle Berichte zugreift, bekommt in einer Leiste mit den üblichen Ressorts auch den Menüpunkt Profidepotcheck angezeigt. Dahinter verbirgt sich allerdings keine unabhängige Bewertung von Finanzdienstleistern oder Ähnliches. Der Link verweist auf Werbeseiten für verschiedene Finanzdienstleistungen.

Erst am unteren Rand der Seite, die unter dem Ressort Wirtschaft und Finanzen firmiert, wird darauf hingewiesen, dass es sich um ein „Angebot der DAB Bank“ handele.

Wer sich unter Stuttgart, Region & Land über die Lokalnachrichten informieren möchte stößt auf den Link Mercedes Benz. Dieser führt zu einem regelrechten Informationsportal über die Marken und Produkte des Stuttgarter Konzerns sowie Niederlassungen, in denen selbige verkauft werden.

In beiden Fällen entsprechen sowohl das Schriftbild als auch das Layout der Anzeigen und Links dem Standardlayout des Onlineauftritts der StZ. Zwar wird jeweils klein durch das Wörtchen „Anzeige“ der Schein der Trennung von redaktionellem Inhalt und Werbung gewahrt. Unter den gegebenen Umständen ist es allerdings fraglich, ob das ausreicht, zumal die Kennzeichnung selbst sich optisch ebenfalls kaum vom übrigen Inhalt abhebt.

Laut Ziffer 7.1 des Pressekodex, der vom Deutschen Presserat herausgegeben wird, müssen bezahlte Veröffentlichungen „so gestaltet sein, dass sie als Werbung für den Leser erkennbar sind.“ Der Kodex gilt allerdings nur für gedruckte Medien und nicht für Onlineportale. Scheinbar nimmt die StZ hier in Kauf, dass ihr guter Ruf als unabhängige Qualitätszeitung durch ihren Onlineauftritt Schaden nimmt.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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