Sieg für die Hartplatzhelden

MoH. Damit hatten viele nicht mehr gerechnet: der Bundesgerichtshof (BGH) hob die vorangegangenen Urteile des Landgerichts und des Oberlandesgerichts (OLG) Stuttgart auf. Das Internetportal „Hartplatzhelden“ darf jetzt wieder Filmausschnitte von Amateurfußballspielen zeigen. Die Macher der Hartplatzhelden sprechen vom „Auswärtssieg in Karlsruhe“.

Dies ist ein richtungsweisendes Urteil. Der BGH hat nicht nur der kommerziellen Plattform der Hartplatzhelden den Weg zur Weiterexistenz geebnet. Er hat auch alle anderen Amateur-Sportarten vor einem Verwertungsmonopol ihres jeweiligen Dachverbandes bewahrt. Zwar ermöglichte der BGH mit seinem Urteil den Sportverbänden ein Kameraverbot über das Hausrecht der Vereine. Der Württembergische Fußballverband (WFV) nahm die Niederlage aber sportlich und bekundete, dass er in Zukunft nicht gegen das Filmen von Spielszenen vorgehen möchte. Der DFB und andere Regionalverbände hatten den WFV in seinem Bemühen gegen die Hartplatzhelden unterstützt.

Das Urteil des BGH führte auch  abenteuerliche Rechtskonstruktionen des OLG Stuttgart ad absurdum. In der Rechtssprechung der Gerichte in Baden-Württemberg kann man durchaus den Filz erkennen, der entsteht, wenn eine Partei zu lange an der Macht ist. Damit soll keineswegs an der Unabhängigkeit der Gerichte gezweifelt werden: die Gerichte haben selbstständig entschieden. Doch die Einstellungen der Stuttgarter Richter scheinen mit dem gestrigen Internetverständnis der herrschenden CDU zu übereinstimmen.

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Über Moritz Heiser

Moritz Heiser studiert Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Der Autor schreibt seit 2002 für verschiedene Publikationen, darunter DIE ZEIT und die Stuttgarter Zeitung. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Politik und Wirtschaft.
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Eine Antwort zu Sieg für die Hartplatzhelden

  1. Berti Fritsch schreibt:

    Nun hat der WFV sein Stuttgart 21 erlebt. Oder soll man sagen Karlsruhe 21?

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