Am Ziel vorbei

MoH. Unlängst hat der Gemeinderat das Planungsverfahren für das „Da Vinci“-Bauprojekt am Karlsplatz eröffnet. Das Großprojekt mit dem großspurigen Namen und einem Investitionsvolumen von 280 Millionen Euro ist bei den Stadträten nicht unumstritten. Neben der Größe wurde in der Vergangenheit vor allem der mit  dem Projekt verbundene Abriss des ehemaligen Gestapo-Gefängnisses „Hotel Silber“ kritisiert.

Jetzt ging es um die baurechtliche Seite. Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) und die Fraktionen von SPD und den Grünen finden die  geplante Baumasse zu groß. Auch sollen in der vorgesehenen neuen Tiefgarage die Stellplätze von 700 auf 500 reduziert werden. Doch niemandem scheint aufzufallen, dass mit der Behebung dieser beiden Kritikpunkte das gewünschte Ziel nicht erreicht werden kann. Schließlich ist ja die oberste Maxime, die städtebauliche Qualität in der Innenstadt zu erhöhen.

Mit Geschossflächen- und Stellplatzreduzierungen konnte schon so mancher Investor seine gesichtslosen Gebäudeklötze verwirklichen. Den Stuttgarter Volksvertretern muss eine gewisse Phantasie abgehen: Sie kommen nicht auf den Gedanken, architektonische Form und Fassadengestaltung zu den ausschlaggebenden Argumenten zu machen. Dass die ästhetische Wirkung eines Gebäudes weniger von der nackten Geschossfläche, als von den beiden genannten Punkten abhängt, wird nicht thematisiert.  Doch sind es gerade architektonische Formen und die Ästhetik der Fassaden, woran es der zeitgenössischen Stuttgarter Investorenarchitektur mangelt.

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Über Moritz Heiser

Moritz Heiser studiert Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Der Autor schreibt seit 2002 für verschiedene Publikationen, darunter DIE ZEIT und die Stuttgarter Zeitung. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Politik und Wirtschaft.
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4 Antworten zu Am Ziel vorbei

  1. Oskar Powalka (ospo) schreibt:

    A propos gesichtslose Gebäudeklötze und Fassadengestaltung: Wie die StZ meldet, soll die Fassade der neuen Bibliothek 21 nun durch einen helleren Anstrich optisch bedeutend aufgewertet werden. Es fragt sich lediglich, warum man nicht von Anfang an auf die Idee kam, dass der Betonwürfel in seinem augenblicklichen Zustand mit dem Prädikat „Stammheim II“ ausgezeichnet werden würde…

    Hier der Bericht der StZ zum Thema:

    http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2727086_0_3692_-stadtentwicklung-hellere-farbe-an-der-bibliothek-21.html

  2. MCBuhl schreibt:

    Jaja, ganz ein neues Thema *kopfschüttel* in den 80ern gab’s den Spruch: „Lieber Anton statt Beton“ – Warum nur? Der Baustoff selber ist ja gar nicht gemeint, man kann schöne Dinge damit bauen…

  3. Moritz Heiser schreibt:

    Immerhin bringt die neue Landesregierung wieder Bewegung in die Situation am Karlsplatz. Das „Hotel Silber“ soll erhalten werden, jetzt darf man gespannt sein, wie Breuninger darauf reagiert.

  4. Pingback: Neue Regierung setzt neue Akzente | STUTTGARTER TAGBLATT

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