Der VfB täuscht sich selbst

OsPo. Seit Jens Keller beim VfB Stuttgart das Ruder übernommen hat, hat die Mannschaft wieder deutlich bessere Leistungen gezeigt, als zuletzt unter der Führung von Christian Gross. Die beiden Heimspiele gegen Getafe und St. Pauli wurden jeweils mehr oder weniger überzeugend gewonnen. Ein Indiz mehr also für die Gültigkeit der These, dass ein Trainerwechsel die Mannschaft quasi automatisch und wie im Handumdrehen zu mehr Einsatz und Selbstvertrauen beflügelt. Es scheint fast, als wären die Spieler erleichtert darüber, nicht mehr für (oder eher gegen?) Gross spielen zu müssen. Einige fühlten sich von dem autoritären Schweizer wohl zuletzt zu hart angefasst und konnten oder wollten nicht mehr ihre volle Leistungsfähigkeit entfalten.

Trifft das zu, sagt es einiges – und nichts Gutes – über den Charakter und die Berufsauffassung der Spieler aus. Wenn hoch bezahlte Berufsfußballspieler nicht professionell genug sind, unabhängig von Zu- oder Abneigung gegenüber einem Trainer seriös ihre Arbeit zu verrichten, sind die Anhänger zu Recht erbost.

Beängstigend sind auch die Parallelen zwischen der gegenwärtigen Situation und den Vorgängen um die Entlassung Armin Vehs und die Installation Markus Babbels vor grob zwei Jahren. Auch damals trugen die Spieler durch schiere Arbeitsverweigerung auf dem Platz nicht unwesentlich zur Absetzung ihres ungeliebten (Meister-) Trainers bei. In Markus Babbel folgte diesem ein unbeschriebenes Blatt Marke „Everybody’s Darling“, der erstmal keinem wehtun wollte. Auch Babbel brachte die Mannschaft vorerst zurück in die Erfolgsspur. Als dann jedoch rauere Zeiten kamen, hatte er die Mannschaft mangels Autorität nicht mehr im Griff. Ob Jens Keller wohl schon mit Babbel telefoniert hat? Honi soit qui mal y pense…

Setzt Keller mit dem VfB jedenfalls den positiven Trend fort, könnte das über die unbestreitbar vorhandenen Probleme im Verein hinwegtäuschen und dazu führen, dass sich die Ereignisse bald wiederholen.

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Über Oskar Powalka

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums in Linguistik und Anglistik hat sich Oskar Powalka nun der Literaturwissenschaft zugewandt. Er ist nebenbei als freier Redakteur und Lektor tätig. Als Chefredakteur beim Stuttgarter Tagblatt (StT) kümmert er sich um die Ressorts Sport und Feuilleton.
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